Detailseite
Projekt Druckansicht

Transnationale Bildungsdiskurse – Religion im Fokus

Antragstellerin Dr. Zrinka Stimac
Fachliche Zuordnung Religionswissenschaft und Judaistik
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 411557257
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das vorliegende Projekt schließt eine signifikante Forschungslücke, indem es erstmalig die diachrone Entwicklung der Religion im globalen Governance-Bereich untersucht. Mit dem besonderen Fokus auf den Bildungssektor der UNESCO, der OSZE/ODIHR und des Europarats werden didaktische Bildungskonzepte analysiert und der Religionsbegriff rekonstruiert. Das Projekt umfasst den Zeitraum von 1948 bis 2018 und analysiert insgesamt 820 Quellen und 15 Interviews. Die Untersuchung kombiniert eine diachrone Darstellung der Quellen und innovative Digital Humanities-Methoden (Topic Modeling) mit qualitativer Textanalyse bzw. Strukturanalyse und induktiver Feinanalyse. Die Analyse offenbart einen kohärenten globalen Diskurs mit drei Diskurssträngen innerhalb der untersuchten Organisationen, der durch die gegenseitige Wahrnehmung und Zusammenarbeit dieser Organisationen entsteht. Dabei wurde eine dreiphasige Entwicklung des Religionsbegriffs im Bildungsbereich identifiziert, die mit dem Menschenrechtsdiskurs korreliert. Diese Phasen spiegeln die Veränderungen in der Wahrnehmung und Behandlung von Religion im Bildungskontext wider. Die UNESCO verknüpft Religion zunächst mit einzelnen religiösen Institutionen, später mit dem interreligiösen Dialog und anschließend mit der Diversitäts-Agenda. Die OSZE/ODIHR fokussiert auf religiöse und religionskundliche Inhalte im Sicherheitszusammenhang (Religion als Bedrohung / bedrohte Religion). Der Europarat orientiert sich begrifflich an der angelsächsischen Religionswissenschaft mit einem inklusiven Bildungsansatz. Dabei sind der interkulturelle und der Menschenrechtsansatz in der Bildung leitend. Auch wenn in allen Phasen Religion im Bildungsbereich berücksichtig wird, kommt es ab 2000 zu einer signifikanten Zunahme der Verknüpfung von Religion und Bildung in den Bildungsquellen insbesondere im menschenrechtsbasierten Ansatz, der parallel zum interkulturellen Ansatz in der Bildung verwendet wird. Der menschenrechtsbasierte Ansatz fällt mit der dritten Generation der Menschenrechte zusammen, indem kulturelle Rechte als kollektive Rechte betont werden. Latent kommt es dabei zu einer Verschiebung von Dialogzu Problemperspektiven im Bildungsbereich, da zentrale Inhalte die Diskriminierung und Kontroversen im Hinblick auf religiöse und weltanschauliche Vielfalt thematisieren. Die Ergebnisse deuten daher auf zukünftige Herausforderungen im Umgang mit Religion und kultureller Diversität im Bildungsbereich hin. Die gewonnenen Resultate werden religionswissenschaftlich und religionssoziologisch verortet. Die ergänzende neopragmatistische Ontologie von Matthias Jung liefert eine Metaperspektive auf das Verhältnis von Religion und Politik, die als zwei Arten einer Gattung verstanden werden. Diese Arten befinden sich im „horizontalen Missverständnis“, worauf die religiös-säkulare Dichotomie, aber auch die Reduktion des Religionsbegriffs seitens der internationalen Organisationen hindeutet. Die Ergebnisse ermöglichen die Antizipation zukünftiger Bildungstendenzen und knüpfen an neue Entwicklungen zur Konvergenz verschiedener Wissenssysteme an, beispielsweise an die Annäherung zwischen universalistischen Ansätzen und den Wissenssystemen indigener Völker.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung