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Die Existenzweisen von Abschriften und Kopien in Briefkopierbücher

Fachliche Zuordnung Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Theater- und Medienwissenschaften
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 413140577
 
Erstellungsjahr 2022

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Briefe wurden lange Zeit zur Selbstdokumentation von den Absendern manuell abgeschrieben. Gegen Ende des 18. und im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden diese Praktiken zunehmend von unterschiedlichen, oft konkurrierenden mechanischen Verfahren abgelöst, ehe diese Verfahren nach Erfindung der Schreibmaschine wiederum in nahezu vollständige Vergessenheit gerieten. Händische Abschriften blieben parallel dazu weiterhin geläufig. In dem Projekt ging es darum, Spuren dieser Praktiken wiederaufzufinden und kultur-, literatur- und mediengeschichtlich zu kontextualisieren – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. Eines der vorübergehend erprobten und dann wieder verdrängten Verfahren wurde im Zuge des Projektes anhand der Briefkopierpraxis des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau erstmals wieder rekonstruiert. In einem umfangreichen Verlagsarchiv wurden in großem Umfang Briefkopien nachgewiesen, die aus aufgelösten Briefkopierbüchern stammen. Anhand dieser Dokumente ließ sich nachvollziehen, welche Dimensionen die gängige Archivpraxis der Kassation, der Aussonderung von Beständen, hatte (die erwähnte Vorpaginierung der Bände erlaubte hier eine entsprechende Einschätzung). Zu den Forschungsergebnissen gehören auch Vorschläge für einen neuen editionsphilologischen Umgang mit Abschriften und Kopien. Die Tatsache, dass die untersuchten Praktiken nahezu vollkommen vergessen wurden, ermöglichten es, die Umstände und Effekte der Briefkopierbuchhandhabung zu erforschen, ohne dabei in einem schematischen medienhistorischen Denken befangen zu bleiben, das Entwicklungen immer im Lichte dessen bedenkt, was aus ihnen hervorgegangen zu sein scheint. Das Konzept der in Netzwerke von Akteuren eingebundenen Existenzweisen erlaubte es, solche Prozesse als Formationen rekursiver Kulturtechniken zu interpretieren, die sich in mikrohistorischen Folgen von Differenzen und Wiederholungen beschreiben lassen. Theorie wird damit von Vorannahmen entlastet, indem sie an die genaue Beobachtung von Praktiken geknüpft ist. Die Ergebnisse wurden in wissenschaftlichen Buch- und Zeitschriftenpublikationen veröffentlicht. Einer breiteren Öffentlichkeit wurden sie u.a. als Poster-Präsentation im Rahmen des Wissenschaftstags der Bauhaus-Universität Weimar und in einem Webinar zum Thema „Archiv und Kopie. (Rück-)Blick aus dem Homeoffice auf eine kulturtechnische Konstellation“ anlässlich der Langen Nacht des wissenschaftlichen Schreibens der Bauhaus-Universität Weimar vorgestellt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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