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Die Stadt als Erziehungsagentur. Restrukturierung von Stadtentwicklung im Spannungsfeld edukativer Implikationen

Fachliche Zuordnung Humangeographie
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 413584860
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt befasst sich mit dem Einfluss von Bildungspolitiken auf aktuelle Stadtentwicklungsprozesse. Es setzt an der Beobachtung an, dass Städte zunehmend edukative Techniken der Steuerung von Bevölkerung einsetzen, um gegenwärtige und zukünftige Problemlagen zu bewältigen. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Wirkungen erzieherische Strategien implementiert werden, um Bürger*innen zu ermutigen, zu einem gelingenden Stadtleben beizutragen und Verantwortung für eine lebenswerten Stadt (der Zukunft) zu übernehmen. Das Forschungsvorhaben nimmt gezielt Programme und Maßnahmen der nachhaltigen Stadtentwicklung in den Blick, da sich in diesen edukative Implikationen wie Responsibilisierung, Anreiz- und Kontrollsysteme wie durch ein Brennglas beobachten lassen. Da sich politische Programme nicht unmittelbar in das Stadtleben übersetzen, sondern Gegenstand von Aushandlungsprozessen sind, wird im Projekt eine Diskursanalyse von Strategie und Rahmenpapieren zu nachhaltiger Stadtentwicklung mit einer Feldstudie zu lokalen Umsetzungspraktiken in Berliner Bezirk Treptow-Köpenick kombiniert. Der Fokus auf Treptow-Köpenick bietet sich an, da hier bereits seit Ende der 1980er-Jahre Initiativen nachhaltiger Stadtentwicklung implementiert wurden und sich im Zeitvergleich Verschiebungen öffentlicher Diskurse identifizieren lassen. Im Rahmen der Feldstudie wurden einerseits Interviews mit Expert*innen aus verschiedenen Politikressorts, teilnehmende Beobachtungen von Bezirkssitzungen sowie Ortsbegehungen durchgeführt. Hierbei wurde deutlich, dass Steuerungsmaßnahmen vielfach und gezielt junge Menschen adressieren. Aus diesem Grund wurden andererseits partizipative Forschungsmethoden mit Kindern eingesetzt, um die Perspektiven junger Menschen in die Forschung zu integrieren, ihre gelebten Praktiken der (nicht-)nachhaltigen Stadt sowie Widersprüche zu den an sie gestellten Erwartungen zu erfassen. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass edukative Ansprachen von Kindern (vielfach implementiert als Bildung für nachhaltige Entwicklung) wesentliche Instrumente sind, Ziele der nachhaltige Stadtentwicklung voranzutreiben. Durch die Projektion von gesellschaftlichen Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen auf junge Menschen bei gleichzeitiger Marginalisierung im städtischen Alltag ist ihre Rolle allerdings von Widersprüchen geprägt. Der Konflikt zwischen dem Recht von Kindern auf ein gutes, gegenwärtiges städtisches Leben und ihrer Adressierung als erst zukünftige erwachsene Stadtbewohner*innen stellt sich hierbei als zentral heraus: Während Kinder in ihrem Alltag vielfach räumliche Beschneidungen und Ausgrenzungen erleben und in stadtplanerische Prozesse nur punktuell einbezogen werden, schreiben edukative Strategien der nachhaltigen Stadtentwicklung ihnen gleichzeitig eine wichtige Rolle als Heilsbringer*innen für eine urbane Zukunft zu und regieren durch unterschiedliche Maßnahmen stark in ihr Privatleben hinein. Somit entfalten aktuelle Debatten und Umsetzungsformen der nachhaltigen Stadtentwicklung durch ihre enge Rahmung (als BNE) und das Vorgeben von Zielen eher de-politisierende denn emanzipatorische Wirkung.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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