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Leiblich-expressives und sprachliches Verstehen. Das Problem der Sprache bei Plessner, Apel, Gadamer und Habermas

Antragsteller Dr. Roman Yos
Fachliche Zuordnung Geschichte der Philosophie
Praktische Philosophie
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 413605297
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Forschungsprojekt untersucht den mit Sprache befassten Diskurs deutschsprachiger Philosophie im Zeitraum zwischen 1918 und 1933. Dabei geht es um die Sichtbarmachung einer sprachphilosophischen Wende. Diese zeigt sich als ein strömungs- wie disziplinübergreifender Diskussionsprozess, in dem das Thema Sprache innerhalb weniger Jahre zu einem zentralen Gegenstand philosophischer Reflexion wird. Ausgehend vom Stand derjenigen Philosophien, die im Laufe der 1920er Jahre - teilweise aber auch schon früher - in einen fruchtbaren Austausch mit anderen für das Thema Sprache relevanten Fächern traten (Soziologie, Psychologie, allgemeine Linguistik, Germanistik, Romanistik etc.), werden neben den einschlägigen Texten auch Debatten- und Rezeptionsverläufe untersucht. Mit der zeitlichen Eingrenzung, für die die Jahreszahlen 1919 und 1933 stehen, wird das im zeitgenössischen Diskurs bereits explizit als "Problem der Sprache" benannte Themenfeld vor dem Hintergrund externer Entwicklungen wie Krieg und Exil, aber auch allgemein wissenschaftspolitischer Vorgänge reflektiert. Ziel dieses Vorgehens ist es, die im heutigen fachphilosophischen Diskurs verbreitete Auffassung eines zweigleisig verlaufenden linguistic turn - mit entweder hermeneutischer oder analytischer Verlaufshistorie - zu hinterfragen und demgegenüber andere nicht in dieses Rezeptionsraster passende Ansätze und Akteure des damaligen Diskurses über Sprache ins rechte Licht zu rücken. Dabei wird u. a. die Wirkung heute weniger bekannter Personen wie Karl Vossler, Leo Weisgerber, Theodor Litt oder Richard Hönigswald beleuchtet, deren wissenschaftliche Leistungen insgesamt zu wenig zur Kenntnis gelangt sind, obgleich diese von bekannteren Protagonisten des damaligen Diskussionsspektrums durchaus wahrgenommen und verarbeitet worden sind, man denke hier etwa an Ernst Cassirer oder Karl Bühler. Mittels einer multiperspektivischen, an konkreten Ausarbeitungsständen interessierten sowie Korrespondenzen und andere (zum Teil unveröffentlichte) Materialien einbeziehenden Vorgehensweise fragt die Untersuchung nach den Ursprüngen einer sprachphilosophischen Wende. Dabei werden im Textmaterial des betreffenden Zeitraums einschlägige Themenfelder und Kontroversen sowie weiterführende (und teilweise wieder abreißende) Diskussionsstränge lokalisiert, interpretiert und in ihrer zeithistorischen Verflechtung dargestellt. Indem diese Denk- und Diskussionsprozesse unterschiedlicher philosophischer Ansätze in ihrem Dialog mit den Einzelwissenschaften sichtbar gemacht werden, trägt die Untersuchung dazu bei, dem vielfach nur anhand populärerer Figuren nachgezeichneten Bild einer (Vor)Geschichte des linguistic turn in Philosophie und Sozialwissenschaften eine präzisere Fassung zu geben.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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