Schelling's Theory of Potencies
Final Report Abstract
Die Aufgabe, die Potenzenlehre im Gesamtwerk Schellings evaluativ, genetisch und systematisch zu rekonstruieren und ihre Funktion innerhalb ihrer zentralen Anwendungsfelder in seiner Philosophie insgesamt neu zu beleuchten, konnte erfolgreich durchgeführt werden. Ihr Ertrag ist eine Monografie mit 300 Seiten Umfang, die eine detaillierte Rekonstruktion der Entwicklung des Potenzbegriffs Schellings von der Naturphilosophie 1798 bis zu seinem unvollendeten Spätwerk, der Darstellung der reinrationalen Philosophie enthält. Dabei konnten durch die Werkentwicklung hindurch die formulierten Ausgangsfragen nach der Ontologie, Semantik, Funktion und Entwicklung des Potenzbegriffs je bezogen auf die einzelnen Werke und Werkphasen beantwortet werden. Als wichtigste Ergebnisse können genannt werden: Die Erkenntnis, dass Schelling von Anfang an keinen semantisch oder funktional fest stehenden Potenzbegriff hat und auch kein solches festes Begriffskonzept aus der zeitgenössischen Diskussion adaptiert. Sondern dass der Potenzbegriff bei Schelling durch das Gesamtwerk hindurch eine Vieldeutigkeit an Bedeutungen und Anwendungsbeziehungen behält, die Schelling zugleich als Ressource gebraucht, um zunehmend komplexere und in Hinsicht auf den jeweiligen systematischen und ontologischen Ansatz der einzelnen Werke fundamentalere Themenfelder durch ihn zu erschließen. Klar herausstellen ließen sich hierbei zwölf funktionale Modelle von Potenz, die Schelling im Laufe seines Werks entwickelt hat. Auch wenn sich einerseits zeigen lässt, wie Schelling zunehmend eine feste Theorie von drei Potenzen als ontologische Grundtheorie seines Spätwerks etabliert, so bildet doch andererseits die semantische Weite von ‚Potenz‘ bis zuletzt ein metaphysisches Experimentierfeld, bei welchem Schelling diese Vielzahl mit ihm verbundener und im Lauf seines Werkes mit einer festen Bedeutung versehender Modelle auf immer neue Anwendungsfelder beziehen und in immer neuen Variationen miteinander kombinieren kann.
Publications
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»Quantitative Differenz in Bezug auf das Ganze«. Zu Funktion und Bedeutung von ›Potenz‹ in der Darstellung meines Systems von 1801. Schelling-Studien, 15-38. Verlag Karl Alber.
Gerlach, Stefan
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„Schellings ‚Einführung‘ des Potenz-Begriffs in die Naturphilosophie von 1799/1800 und seine Bedeutung im System des transzendentalen Idealismus“, in: Schelling-Studien 8, 2020, S. 27-46.
Stefan Gerlach
