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Infrastructure and post-imperial national-spatial integration. Spatial development, path dependence and railroads in Bulgaria and Serbia/Yugoslavia from the late 19th century to World War Two in comparison

Applicant Dr. Danijel Kezic
Subject Area Modern and Contemporary History
Term from 2018 to 2021
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 414332240
 
Final Report Year 2022

Final Report Abstract

Am Anfang war eine Hypothese über die Bedeutung der Infrastruktur im Prozess der postimperialen nationalräumlichen Integration in Südosteuropa. Nach der Arbeit am Projekt lässt sich schlussfolgern, dass sich die Hypothese bestätigt hat und dass dieser wichtige Aspekt für die Erforschung von Nationsbildungsprozessen in Südosteuropa bisher noch nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Vielleicht das wichtigste Ergebnis dieses Projekts ist die Tatsache, dass sich der angewendete interdisziplinäre Ansatz bisher bewahrt hat, und dass im Laufe des Projekts die angewendeten theoretischen und methodischen Grundlagen weiter entwickelt wurden. So lässt sich sagen, dass aus diesem Projekt heraus die konkret anwendbaren theoretischen und methodischen Grundlagen für eine Infrastruktur-Geschichte Südosteuropas zur Verfügung stehen werden. Es gab einige wirklich „überraschende“ Erkenntnisse und ich möchte an dieser Stelle nur die wichtigsten benennen. Die bisher größte „Überraschung“ für mich war die Tatsache, dass im Falle Jugoslawiens ausgerechnet auf den Eisenbahnkarten den nationalen Raum nicht nur als homogen, sondern auch als Zusammensetzung mehrerer Räume dargestellt wurde, bzw. dass nur auf den Eisenbahnkarten der slowenischer, kroatischer und bosnischer Raum schon vor 1945 existierten. Genauso überraschend war die Erkenntnis, dass eine bewusste, gezielte und konsequente jugoslawische nationale Kodifizierung des Raums erst unter Milan Stojadinović 1935 bis 1938 erfolgte. Zu erwarten war es, dass es in der ersten Phase des jugoslawischen Staates (1920er Jahre) oder während der Königsdiktatur (1929-1934) dazu kommt. Eine weitere Überraschung war der gewaltige Unterschied zwischen Königreich Serbien/Jugoslawien einerseits und Königreich Bulgarien andererseits, bezüglich der Eröffnungsfeier neuer Eisenbahnstrecken und bezüglich des Bewusstseins über die Bedeutung solcher Feier für die Kodifizierung des nationalen Raums. Die Tatsache, dass der jugoslawische König keine Eisenbahnstrecke persönlich eröffnete und der bulgarische Zar beinahe jede gebaute wichtige Strecke spricht für sich. Die Resonanz auf das Projekt und auf die daraus entstandenen neuen Themen war national und international positiv, so dass von mir vorgeschlagene Themen auf zwei internationalen Konferenzen aufgenommen werden. Der Vorschlag aus Belgrad, gemeinsam mit IOS auf einem Projekt über Infrastrukturgeschichte zu arbeiten, zeigt, dass auch in den ehemaligen jugoslawischen Republiken das Interesse für die Erforschung der Infrastruktur besteht. Das aus dem Projekt entstandene Buch wird sicherlich große Resonanz nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südosteuropa finden.

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