Zukunftsfähige Altenpflege. Sozialethische Reflexionen zu Bedeutung und Organisation personenbezogener Dienstleistungen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Mit dem ethischen Zugang der doppelten Personenzentrierung, der eine staatliche Schutzverantwortung für Pflegebedürftige und eine subsidiäre Verantwortung des Staates für Pflegepersonen begründet, und der von der Arbeitsteilung und Erfüllung gesellschaftlich notwendiger Aufgaben ausgehenden sozialethischen Argumentation hat das Forschungsprojekt die zentrale Verwiesenheit unbezahlter Versorgungs- und Pflegearbeit auf subsidiäre, hilfreichen Beistand leistende und entlastende soziale Infrastrukturen herausgearbeitet. Eine ‚sorgende Gesellschaft‘ schafft – politisch verantwortet – Voraussetzungen dafür, dass Menschen fürsorglich pflegen können, sowohl als nicht-erwerbsmäßig Pflegende (insb. als pflegende An- und Zugehörige) als auch als beruflich Pflegende, und dabei belastbare Solidaritätsverhältnisse und hilfreichen Beistand (Subsidiarität) erfahren. Die Forschungsergebnisse mündeten in die Formulierung von Gelingensbedingungen guter Pflege in innovativen Wohnformen und in pflegepolitische Reformperspektiven, darunter die Forderung der Einführung eines einkommensunabhängigen Transfereinkommens für Pflegepersonen und der Einrichtung von Pflegestützpunkten plus, die Koordination und Vernetzung fördern sowie in kommunaler Verantwortung Case- und Care-Management leisten und – im städtischen wie ländlichen Raum – Anspruchsberechtigte zu Leistungsbeziehern werden lassen. Auf der hochkarätig besetzten Fachtagung („Expert*innenworkshop“) am 20. Juni 2022 in der Katholischen Akademie Berlin wurde das Policy Paper „Doppelte Personenzentrierung – Leitidee für den Leistungsmix in der häuslichen Versorgung“ vorgestellt und diskutiert; es erschien in überarbeiteter Fassung im Juli 2022. Daran schlossen sich zahlreiche Vorträge und Diskussionsveranstaltungen an. Im Oktober 2024 ist die im Projektkontext entstandene Monografie von Dr. Eva Hänselmann unter dem Titel: „Zukunftsfähige Altenpflege. Gute Pflege in innovativen Wohn- und Versorgungsformen“ (Gesellschaft – Ethik – Religion, Bd. 24), im Verlag Brill / Schöningh erschienen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Das Trilemma der Pflege. Zu Zielkonflikten und Unzulänglichkeiten verbreiteter pflegepolitischer Strategien. In: Amos International, Jg. 14 (H. 2), S. 3–10.
Emunds, Bernhard & Hagedorn, Jonas
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Freiheit – Gleichheit – Selbstausbeutung. Zur Zukunft der Sorgearbeit in der Dienstleistungsgesellschaft (Die Wirtschaft der Gesellschaft, Bd. 6). Marburg: Metropolis, darin: Emunds, Bernhard / Degan, Julian / Habel, Simone / Hagedorn, Jonas: Aufwertung der Sorgearbeit in der Dienstleistungsgesellschaft – eine große Hoffnung des 21. Jahrhunderts, S. 11–42
Emunds, Bernhard, Degan, Julian. Habel, Simone & Hagedorn, Jonas
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Die Caritas als politischer Akteur. Dienstleistungswirtschaft gestalten, in: Herder-Korrespondenz Spezial „Delegierte Nächstenliebe. Die Kirche und ihre Caritas“, S. 48–50
Emunds, Bernhard
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Doppelte Personenzentrierung – Leitidee für den Leistungsmix in der häuslichen Versorgung. Policy Paper (ICS-AP Nr. 17 und FAgsF Nr. 80), Münster – Frankfurt
Hagedorn, Jonas; Hänselmann, Eva; Emunds, Bernhard & Heimbach-Steins, Marianne
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Häusliche Pflegearbeit gerecht organisieren (Arbeitsgesellschaft im Wandel). Weinheim/Basel: Beltz Juventa
Emunds, Bernhard, Heimbach-Steins, Marianne, Hagedorn, Jonas & Quaing, Lea
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Subsidiarität. Sozialethische Erwägungen zu einem sozialpolitischen Zuständigkeitsprinzip am Beispiel der Pflegearbeit. In: Jahrbuch Sozialer Protestantismus 2020/21, Band 13: Zeitpolitik. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt GmbH, S. 151–200
Hagedorn, Jonas
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Digitalisierung der Pflegearbeit als soziale Innovation? Mobile Endgeräte als strukturierendes Element der Organisation und Interaktion in der Altenpflege, in: Kistler/Puzio/Riedl/Veith (Hgg.): Digitale Transformation der Gesellschaft. Sozialethische Perspektiven auf den technologischen Wandel. Münster: Aschendorff, S. 147–164
Hänselmann, Eva
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Kulturelle Stereotype tragen zum Gender Care Gap bei. Wie gelangen wir zu einer Care-Praxis, die allen offensteht?, in: Weber/Gruhlich (Hgg.): Care & Diversity in intersektionaler Perspektive (Zeitschrift für Diversitätsforschung und -management 9 (1)), Opladen: Verlag Barbara Budrich: Leverkusen-Opladen, S. 77–82
Hänselmann, Eva
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Zukunftsfähige Altenpflege. Gute Pflege in innovativen Wohn- und Versorgungsformen. Paderborn: Brill Schöningh (Gesellschaft – Ethik – Religion, Bd. 24)
Hänselmann, Eva
