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Westafrikanisches Englisch in Bewegung: Neue Formen des Gebrauchs des Englischen als Lingua Franca (ELF) in Deutschland (Verlängerung)

Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung Förderung von 2019 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 415700983
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersuchte den Gebrauch von westafrikanischen Varietäten des Englischen in der Lingua-Franca-Kommunikation in Deutschland. Die Datengrundlage der Untersuchungen ist ein Korpus von sprachbiographischen Interviews – teils Einzelgespräche, teils Fokusgruppen – mit 67 meist anglophonen westafrikanischen Migrant:innen (Gesamtdauer von ca. 55 Stunden). Es dient einerseits der Beschreibung der verwendeten Sprachvarietäten, anderseits als reiche ethnographische Quelle zu den Spracherfahrungen, Spracheinstellungen und Sprachideologien der Interviewten. Ausschnitte aus dem Material wurden für Elizitationsstudien verwendet, in denen deutschsprachige Informant:innen westafrikanisches Englisch in Hinblick auf Verständlichkeit und Prestige bewerteten. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen. Trotz leichter Probleme mit der Aussprache des jeweils anderen erwies sich das Englische als alltagstaugliche Lingua Franca in der Kommunikation zwischen Migrant:innen und ‘Einheimischen.’ Friktionen kennzeichneten dagegen die Kommunikation in institutionellen Kontexten – vom Sprachkurs Deutsch bis zum Behördenverkehr. Migrant:innen aus anglophonen postkolonialen Kontexten neigten dazu, das Prestige und den Nutzwert des Englischen in Deutschland zu überschätzen. Eine gewisse Frustration bewirkte auch die Tatsache, dass Formen englisch-deutscher Sprachmischung, die sich im Alltag bei der Überwindung kommunikativer Hindernisse bewährten, in diesen institutionellen Bereichen überwiegend abgelehnt werden. Ein unerwartetes Ergebnis war die enorme ethnolinguistische Vitalität der westafrikanischen Pidgin-Varietäten in den migrantischen Gemeinschaften in Deutschland. Pidgin verliert das Reststigma, das ihm in den Herkunftsländern noch immer anhaftet, und wird zum Identitätsträger in einer intern sehr heterogenen Commmunity. Aus den Ergebnissen lässt sich eine Handlungsempfehlung für die Praxis ableiten: Der Erwerb der deutschen Sprache bleibt für die efolgreiche Integration in Deutschland unerlässlich. Das Englische sollte jedoch – im Allltag ebenso wie in der institutionellen Kommunikation – mehr als bisher in seiner nützlichen Rolle als übergangsweise Lingua Franca anerkannt werden. Lingua Franca-Kommunikation ist auch dann erfolgreich, wenn sie nicht monolingual, sondern im Rahmen von mehrsprachigen Repertoires erfolgt. Die Projektergebnisse sind auch für die internationale Forschung relevant, weil sich die bisherigen Arbeiten zu afrikanischen Varietäten des Englischen und zu Pidgins in der Diaspora weitgehend auf Großbritannien, die USA und Kanada beschränkt haben. Große Teile des Interview-Korpus aus anonymisierten Audio-Dateien und orthographischen Transkriptionen (Software: ELAN) werden in einem Repositorium des Text+ (NFDI)-Konsortiums archiviert und für weitere Forschungen in der Migrationslinguistik und als Oral-History-Zeugnisse der afrikanischen Einwanderung nach Deutschland zur Verfügung stehen.

Link zum Abschlussbericht

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hebis:30:3-898937

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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