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Krisenrhetorik zwischen Latenz und Divergenz: Gedächtniserzeugung in portugiesischen Fotobüchern und Romanen der Gegenwart
Antragstellerin
Dr. Susanne Grimaldi
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Förderung
Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 415722839
Die sozioökonomische Krise verfestigt sich innerhalb Europas seit 2008 zum transkulturellen Erfahrungs- und Erinnerungsraum. Am Beispiel von Fotobuch und Roman untersucht das vorliegende Habilitationsprojekt exemplarisch Krisenverarbeitungen Portugals. Erinnerungs- bzw. Vergegenwärtigungskonkurrenzen werden medial ausgehandelt, wobei in Portugal eine Diskursvielfalt vorherrscht. Künstlerische Verfahren arbeiten zum Teil mittels offensiver Zeigestrategien in Text und Bild, Polyphonie und Intersubjektivität als identifikatorisches Close-up der Betroffenen. Daneben gibt es jene Strategien, die darauf abzielen, bestehende Krisennarrative zu dekonstruieren und zu ersetzen. Das ästhetische Irritationspotenzial von einem Teil der Krisendokumente liegt gerade in der Abwesenheit bzw. Latenz der Krise, was im Verhältnis zu (national) anderen Krisenverarbeitungsstrategien einzigartig ist. Im Vergleich zu Artefakten in einem erfahrungshaftigen Modus arbeiten portugiesische Texte in einem eher reflexiven, historisierenden und monumentalen Modus. Zur Untersuchung der Speicher-, Zirkulations- und Abruffunktionen der Medien Fotobuch und Roman wird eine diachrone Betrachtung von Referenztexten portugiesischer Identitätsreflexion aus Philosophie, Soziologie und Literatur vorgenommen, wobei die vier Deutungsachsen autoimagens (Mythen und Selbstbilder), crise permanente, Europa sowie desmitificação analyseleitend sein werden.Erstes Projektziel ist das Herausarbeiten und Inbeziehungsetzen des narrativen Potenzials von wiederkehrenden Topoi, Ikonen, Plotstrukturen, Erinnerungsakteuren sowie Erinnerungspraktiken in den portugiesischen Krisenverarbeitungsstrategien, um damit die Frage zu beantworten, wie sich 'die Krise' gegenwärtig zum europäischen Erinnerungsort konsolidiert. Zweites Projektziel widmet sich den Emotionalisierungsstrategien in Text und Bild. Auf welche mentalen und materiellen Bilder wird angespielt und wie werden Motiv, Darstellungstradition, Produktions-, und Rezeptionskontext vermittelt? Drittes Projektziel ist das Identifizieren von alternativen Erinnerungsnarrativen, die den Krisenverlauf neu ausrichten. Ein weiteres Ziel ist das Herausarbeiten der Dominanzen von Speicher-, Zirkulations- und Abruffunktion beider Gedächtnismedien sowie der Interaktion von sozialer, mentaler und materialer Erinnerungsdimension. Ein letztes Projektziel ist die Untersuchung des Mobilitätspotenzials künstlerischer Krisenverarbeitungsstrategien im Sinne einer travelling und globital memory. Für die dreistufige transmediale Analyse werden grundlegende Aspekte von Narrativität von Texten auf das hybride Artefakt aus Bild und Text (Fotobuch) übertragen. Indem das Projekt den diagnostischen und prospektiven Raum analysiert, der künstlerischen Krisenverarbeitungsverfahren in Portugal innewohnt, wird die bestehende Forschungslücke geschlossen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
