Detailseite
Projekt Druckansicht

Die Rechtfertigung von Repression in autoritären Regimen der arabischen Welt: Offizielles Framing und dessen Zielgruppen

Antragstellerin Dr. Maria Josua
Fachliche Zuordnung Politikwissenschaft
Förderung Förderung von 2018 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 415741057
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Staatliche Akteure in Autokratien versuchen oft, Repression zu verschleiern oder zu rechtfertigen, um ihre Herrschaft zu sichern. Während die Autoritarismusforschung üblicherweise Repression und Legitimation als getrennte Strategien untersucht, konzeptualisierte dieses Projekt die wichtige Verknüpfung der Rechtfertigung von Repression und trug zu einer differenzierteren Perspektive auf die Effekte von Repression auf die Persistenz autoritärer Herrschaft bei. Das Projekt entwickelte ein innovatives Framework, um die Kommunikation und Rechtfertigung von Repression umfassend zu untersuchen. Es beleuchtete einerseits die Rechtfertigung von alltäglicher Repression in Autokratien und andererseits die Entscheidung für und Rezeption von Rechtfertigungen der Repression von Massenprotesten im Arabischen Frühling. Im Projekt wurde erstmalig die Legitimation von Repression in Autokratien systematisch erfasst. Der „Justifications of Repressive Incidents in Morocco and Tunisia“-Datensatz beinhaltet alle Fälle von Repression, die von Menschenrechtsorganisationen im Jahrzehnt vor dem Arabischen Frühling berichtet wurden. Die Innovation des bei GESIS veröffentlichten Eventdatensatzes liegt auch in der Desaggregierung multipler Dimensionen von Repression. Die Analyse zeigte den Stellenwert gerichtlicher Repression in der Legitimierung von Repression in beiden Staaten. Das Projekt erforschte auch Antiterror-Gesetzgebung als eine legale Rechtfertigung für Repression, die vor Gericht genutzt wurde. Anhand der Proteste im Arabischen Frühling in Tunesien und Marokko im Jahr 2011 untersuchte das Projekt, wie über die Repression von Protesten kommuniziert wurde, sowie die Reaktionen von Aktivist*innen und anderen nationalen und internationalen Zielgruppen. In beiden Staaten wurden teilweise ähnliche Narrative verwendet, doch insgesamt unterschied sich sowohl die Kommunikation über die Repression von Protesten als auch, wie diese von Bürger*innen und internationalen Akteuren rezipiert wurde. In Tunesien scheiterten Rechtfertigungsversuche und die Repression hatte einen mobilisierenden Effekt. Hingegen demobilisierte in Marokko die Arbeitsteilung aus Reformversprechen des Königs und Diffamierung der Protestbewegung durch Minister die Mittelschichten, wonach die marginalisierten Teile der Protestbewegung letztlich gewaltsam unterdrückt wurden. Die im Projekt verwendeten Methoden beinhalteten Inhalts- und Framinganalyse von Dokumenten, Reden und Gesetzen, deskriptive Statistik und Feldforschung mit qualitativen semi-strukturierten Interviews. Die Projektoutputs haben mit vier begutachteten Artikeln in renommierten internationalen Veröffentlichungen wie Contemporary Politics, Journal of Global Security Studies und der Oxford Research Encyclopedia of Politics die geplante Anzahl übertroffen, ebenso die Policy Briefs für ein breiteres Publikum. Ein Beitrag in Mediterranean Politics ist mit über 20,000 Aufrufen der meistgelesene Artikel dieser Zeitschrift. Das Projekt hat zur Forschung über MENA- Politik beigetragen, über politische Kommunikation in Autokratien sowie Repression. Die Resultate fanden nicht zuletzt Eingang in Diskussionen mit Entscheidungsträger*innen und Vorträge für die interessierte Öffentlichkeit, Medienbeiträge, Podcasts und Paneldiskussionen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung