Die Rechtfertigung von Repression in autoritären Regimen der arabischen Welt: Offizielles Framing und dessen Zielgruppen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Staatliche Akteure in Autokratien versuchen oft, Repression zu verschleiern oder zu rechtfertigen, um ihre Herrschaft zu sichern. Während die Autoritarismusforschung üblicherweise Repression und Legitimation als getrennte Strategien untersucht, konzeptualisierte dieses Projekt die wichtige Verknüpfung der Rechtfertigung von Repression und trug zu einer differenzierteren Perspektive auf die Effekte von Repression auf die Persistenz autoritärer Herrschaft bei. Das Projekt entwickelte ein innovatives Framework, um die Kommunikation und Rechtfertigung von Repression umfassend zu untersuchen. Es beleuchtete einerseits die Rechtfertigung von alltäglicher Repression in Autokratien und andererseits die Entscheidung für und Rezeption von Rechtfertigungen der Repression von Massenprotesten im Arabischen Frühling. Im Projekt wurde erstmalig die Legitimation von Repression in Autokratien systematisch erfasst. Der „Justifications of Repressive Incidents in Morocco and Tunisia“-Datensatz beinhaltet alle Fälle von Repression, die von Menschenrechtsorganisationen im Jahrzehnt vor dem Arabischen Frühling berichtet wurden. Die Innovation des bei GESIS veröffentlichten Eventdatensatzes liegt auch in der Desaggregierung multipler Dimensionen von Repression. Die Analyse zeigte den Stellenwert gerichtlicher Repression in der Legitimierung von Repression in beiden Staaten. Das Projekt erforschte auch Antiterror-Gesetzgebung als eine legale Rechtfertigung für Repression, die vor Gericht genutzt wurde. Anhand der Proteste im Arabischen Frühling in Tunesien und Marokko im Jahr 2011 untersuchte das Projekt, wie über die Repression von Protesten kommuniziert wurde, sowie die Reaktionen von Aktivist*innen und anderen nationalen und internationalen Zielgruppen. In beiden Staaten wurden teilweise ähnliche Narrative verwendet, doch insgesamt unterschied sich sowohl die Kommunikation über die Repression von Protesten als auch, wie diese von Bürger*innen und internationalen Akteuren rezipiert wurde. In Tunesien scheiterten Rechtfertigungsversuche und die Repression hatte einen mobilisierenden Effekt. Hingegen demobilisierte in Marokko die Arbeitsteilung aus Reformversprechen des Königs und Diffamierung der Protestbewegung durch Minister die Mittelschichten, wonach die marginalisierten Teile der Protestbewegung letztlich gewaltsam unterdrückt wurden. Die im Projekt verwendeten Methoden beinhalteten Inhalts- und Framinganalyse von Dokumenten, Reden und Gesetzen, deskriptive Statistik und Feldforschung mit qualitativen semi-strukturierten Interviews. Die Projektoutputs haben mit vier begutachteten Artikeln in renommierten internationalen Veröffentlichungen wie Contemporary Politics, Journal of Global Security Studies und der Oxford Research Encyclopedia of Politics die geplante Anzahl übertroffen, ebenso die Policy Briefs für ein breiteres Publikum. Ein Beitrag in Mediterranean Politics ist mit über 20,000 Aufrufen der meistgelesene Artikel dieser Zeitschrift. Das Projekt hat zur Forschung über MENA- Politik beigetragen, über politische Kommunikation in Autokratien sowie Repression. Die Resultate fanden nicht zuletzt Eingang in Diskussionen mit Entscheidungsträger*innen und Vorträge für die interessierte Öffentlichkeit, Medienbeiträge, Podcasts und Paneldiskussionen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
-
Repression durch Anti-Terror-Gesetze in der arabischen Welt. GIGA Focus Middle East Nr. 4. German Institute for Global and Area Studies
Josua, M.
-
What Drives Diffusion? Anti-Terrorism Legislation in the Arab Middle East and North Africa. Journal of Global Security Studies, 6(3).
Josua, Maria
-
The Arab uprisings and the return of repression. Mediterranean Politics, 26(5), 586-611.
Josua, Maria & Edel, Mirjam
-
The Legitimation of Repression in Autocracies. Oxford Research Encyclopedia of Politics. Oxford University Press.
Josua, Maria
-
“10 Jahre Arabischer Frühling – Was bleibt vom Aufbruch?“ Hermann Ehlers Academy, online, 19. Oktober 2021
Maria Josua
-
“Protest Behavior During the Arab Spring, Protest & Moral Economy in Jordan, Arab Uprisings & Return of Repression”, POMEPS Middle East Political Science Podcasts S. 10, Ep. 14, 8. April 2021
Maria Josua
-
“Research on Authoritarianism in German Academia”, Workshop “Struggles against authoritarianism”, FU’s Academy in Exile und IRGAC, Berlin, 30. September 2021
Maria Josua
-
“The Arab Uprisings and the Return of Repression”. Kolloquium “Politics from below”, Institute for Protest and Movement Research, Berlin, 31. Mai 2021
Maria Josua & Mirjam Edel
-
Justifications of Repression in Autocracies: An Empirical Analysis of the Maghreb, 2000–2010. GIGA Working Papers 331, August, German Institute for Global and Area Studies
Josua, M.
-
Justifications of Repressive Incidents in Morocco and Tunisia. Dataset (JuRI)
Josua, M.
-
Justifications of repression in autocracies: an empirical analysis of Morocco and Tunisia, 2000–2010. Contemporary Politics, 30(1), 108-136.
Josua, Maria
-
Tunesiens Präsident Kais Saied: vom Hoffnungsträger zum Autokraten. GIGA Focus Middle East Nr. 4. German Institute for Global and Area Studies
Thyen, K. & Josua, M.
-
“#ShrinkingSpaces: Freiheit und Zivilgesellschaft unter Druck. Die aktuelle Situation in Tunesien“, Friedrich Naumann Stiftung, online, 31. März 2023
Maria Josua
-
“Media responsibility vis-à-vis autocratic discourse and disinformation in the digital age”, Workshops on Middle East Politics: Media, Information and Digitization, Universität Tübingen, 17. Juni 2023
Maria Josua
