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Punk in der Bundesrepublik Deutschland von 1976 bis Mitte der 1990er-Jahre: Jugendlicher Protest gegen/mit Massenkultur

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 416116288
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Punk entfaltete sich seit Mitte der 1970er-Jahre als soziale Bewegung und kulturelles Phänomen in der Bundesrepublik Deutschland. Im Zeitraum von 1976 bis 1995 entwickelte sich diese Jugendkultur von einem randständigen Phänomen junger Menschen zu einem erkennbaren Musik- und Lebensstil. Punks in der Bundesrepublik pflegten ein spannungsgeladenes Verhältnis zur Massenkultur, ohne sich jedoch davon emanzipieren zu können. Mit eigenen medialen Prozessen suchten sie dem entgegenzutreten. Dazu kam eine generelle Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Die auffällige Gestaltung der Körper sowie das gemeinschaftliche Auftreten führten dazu, dass verschiedene gesellschaftliche Gruppen auf die Punks reagierten. Die Selbst-Entwürfe der Punks erlauben somit einen Einblick in die bundesrepublikanische Gesellschaft der späten 1970er- bis Mitte der 1990er-Jahre. Sie taugen deswegen als Sozialfiguren, weil sie in diesen Jahren wiederkehrend als Thema auftauchten. Die Sozialfigur „Punk“ und die damit verbundene Jugendkultur demonstrieren eine bemerkenswerte Langlebigkeit. Insofern eignen sie sich in besonderem Maße als Analysesonde für medialen und sozialen Wandel in der alten und wiedervereinigten Bundesrepublik. Anhand von vier Themenkomplexen untersuchte das Forschungsprojekt Punk als Jugendkultur, Protestbewegung und Lebensstil. Punk in der Bundesrepublik wurde als exklusivistische Jugendkultur und gleichzeitig als Teil der Gesellschaft (1) analysiert. Diese Lebensform stand in Zusammenhang mit transnationalen medialen Vermittlungsprozessen über Jugendkultur (2) und umfasste Praxisformen der Lebensführung von Punk als Lebensstil (3). Der Stellenwert von Individualisierung wurde ausgelotet und die Punks im Spannungsfeld zwischen Szenen und Massenkultur verortet (4). Das Projekt nahm die Punks und deren von Anfang an mediale Situiertheit und Interaktionen mit Medien ernst. Punks kritisierten nicht nur massenkulturelle Entwicklungen, sondern beteiligten sich selbst an einer transnationalen Austauschpraxis über Fanzines, Tonträger und Briefe. Einige Punks waren mediale Akteur*innen und damit Teil einer gegenkulturellen Kommunikationskultur. Mit dieser wurde versucht Individualität innerhalb der Massenkultur zu gewinnen. Diese medialen Handlungen führten gleichzeitig aber im Untersuchungszeitraum dazu, dass Punk in das mediale Setting übernommen werden konnte und „der Punk“ als eine Sozialfigur bis heute erkennbar ist.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • „Punk in West Germany in the 1980s: Youth Protest and Gender“ am 07.12.2019 auf einem gemeinsamen Doktorand*innenworkshop der University of Oxford und der LMU München unter der Leitung von Prof. Dr. Paul Betts und Prof. Dr. Martin H. Geyer
    Siebengartner, Karl
  • Kapitelvorstellung „Vom Punk zu Punks: Anfänge in der Bundesrepublik“ am 24.06.2021, Seminar des strukturierten Promotionsprogrammes des Historischen Seminars der LMU München
    Siebengartner, Karl
  • „Punk in der Bundesrepublik von 1976 bis Mitte der 1990er Jahre: Jugendlicher Protest gegen/mit Massenkultur.“ am 14.07.2021 im Rahmen des Oberseminars von Prof. Dr. Margit Szöllösi-Janze, LMU München
    Siebengartner, Karl
  • „Unruly Bodies: Punks, ecstasy and pop culture in West Germany“ am 02.10.2021 auf der Tagung „Pop Cultures and Ecstatic States of the Body, 1950s-1980s“ an der Universität Kopenhagen
    Siebengartner, Karl
  • Punk und Fanzines im München der 1980er: Arenen der Selbstdarstellung | #PopPunkPolitik, in: Blog der Münchner Stadtbibliothek, 03.12.2021
    Siebengartner, Karl
  • Punks und Polizei. Staatliche Reaktionen auf rebellisches Verhalten in Westdeutschland 1980 bis 1985, in: Westfälische Forschungen 72 (2022), S. 203-221.
    Siebengartner, Karl
  • Research Project: Punk in the Federal Republic Germany 1976- 1990s (English & German text), in: pophistory, 01.04.2021
    Siebengartner, Karl
  • „Politik des individuums“. Selbst und Massenkultur im bundesdeutschen Punk zwischen 1976 und 1995 am 19.07.2022, Oberseminars von Prof. Dr. Simone Derix, FAU Erlangen
    Siebengartner, Karl
  • „Prekäre Orte. Punkschuppen in München um 1980“ am 15.02.2022 im Rahmen der Veranstaltung „Pop Punk Politik – Die 1980er Jahre in München. Subkultur als Ausstellungsthema“, Veranstalter: Bayerische Museumsakademie/Museumspädagogisches Zentrum, Literaturarchiv Monacensia
    Siebengartner, Karl
  • Rip Off Records (Hamburg) and the Microhistory of Capitalism. The Life, Death, and Afterlife of the Record Store, 186-196. Bloomsbury Publishing Plc.
    Siebengartner, Karl
  • Punk(s) in der Bundesrepublik Deutschland. 1800 | 2000. Kulturgeschichten der Moderne. transcript Verlag.
    Siebengartner, Karl
 
 

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