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Indische Alben der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zwischen Tradition und Dokumentation: Die Polier- und Swinton-Alben in den Staatlichen Museen zu Berlin

Antragstellerin Dr. Friederike Weis
Fachliche Zuordnung Kunstgeschichte
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 416816602
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt erforschte zwanzig Alben mit Miniaturen und Kalligraphien (Muraqqaʿs), die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von dem Schweizer Architekten Antoine-Louis-Henri Polier (1741–1795) und dem schottischen Chirurgen Archibald Swinton (1731–1804) aus Indien nach Europa gebracht wurden. Die Alben sind heute auf die beiden Berliner Museen für Islamische und Asiatische Kunst verteilt (Staatliche Museen zu Berlin). Ihre Herstellungskontexte, ihre Funktion und Rezeption wurden im Vergleich mit weiteren indischen Muraqqaʿs aus anderen Sammlungen untersucht. Nach derzeitigem Kenntnisstand fertigten indische Künstler die meisten Muraqqaʿs aus alten und neuen Materialien für britische und französische Kolonialbedienstete; nur ein vergleichsweise kleiner Teil wurde in dieser Zeit für indische Auftraggeber produziert. Entsprechend unterschiedlich sind die Kommunikationsmodi. Die Alben für indische Eliten konzentrierten sich auf Kalligraphien in verschiedenen Dukti sowie thematisch gepaarte Porträts und Tierdarstellungen in der doppelseitigen Präsentationsform mogulischer Muraqqaʿs. Die Alben für Europäer verfolgten dagegen stärker eine historisch-ethnographische Perspektive, wie z.B. die französischen und persischen Titelinschriften auf den Albumblättern von Polier und Jean-Baptiste Joseph Gentil (1726–1799) zeigen, und kombinierten Kalligraphie- und Bildseiten – in heterogener Rahmung – nach formalästhetischen Kriterien. Große Mengen von Digitalisaten intakter und verstreuter Alben wurden in verschiedenen Kategorien erfasst und Provenienzen anhand von Rahmungstypen, Siegeln und Besitzvermerken geklärt. Während in der ersten Projektphase vor allem kodikologische und thematische Grundlagen erarbeitet wurden, konnten in der zweiten Phase durch Bibliotheksaufenthalte in London, Manchester, Oxford und Paris weitere Alben entdeckt und unveröffentlichte Primärquellen eingehend ausgewertet werden, wie etwa Briefe von Beamten der East India Company, eine Liste von 25 Alben aus dem Nachlass Poliers sowie handschriftliche Notizen von Gentil und Swinton. Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass die Alben weniger als bisher angenommen als ‚kulturelles Kapital‘ in kolonialen und innerindischen Netzwerken genutzt wurden, worauf ihre begrenzte Zirkulation und das weitgehende Fehlen von Textquellen zu ihrer zeitgenössischen Rezeption hindeuten. Vielmehr dienten sie vor allem als private Schätze und indische Erinnerungsstücke. Ein von der Antragstellerin organisierter Hybrid-Workshop an den Staatlichen Museen zu Berlin im September 2021 gab wichtige Impulse, um die international vernetzte Erforschung an diesen Alben voranzubringen. Der kürzlich in Open Access erschienene Sammelband Eighteenth-Century Indian Muraqqaʿs: Audiences – Artists – Patrons and Collectors zeugt mit vierzehn grundlegenden Analysen und einem Appendix von dieser fruchtbaren Zusammenarbeit.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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