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Zusammengesetzte Indefinitpronomen in slavischen Sprachen. Ein Beitrag zur semantischen Karte der Indefinitheit der zweiten Generation

Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 417111628
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt versprach eine umfassende Analyse der zusammengesetzten Indefinitpronomen (ZIPs) in den slavischen Sprachen mit Fokus auf ihrer Semantik. Unter ZIPs versteht man nichtkodifizierte und nicht vollständig grammatikalisierte reihenbildende Indefinitpronomen (IPs), die zahlreich in den slavischen Sprachen entstehen, aber systematisch noch nicht beschrieben worden sind. Analysiert wurden fünf Sprachen: Russisch (RU), Ukrainisch (UA), Kroatisch (HR), Polnisch (PL) sowie Tschechisch (CZ). Das Projekt hatte also zwei Dimensionen. Im Rahmen der deskriptiven Dimension beschreibt es die Semantik und Morphosyntax der ZIPs und es sammelt Daten zur Verwendungsfrequenz. Es wurden ZIPs in fünf slavischen Sprachen erstmals methodisch konsistent inventarisiert, indem sie aus den großen Webkorpora TenTenFamily (für RU, UA, PL und CZ) und hrWaC (für HR) extrahiert wurden. Als nächstes wurden die extrahierten Reihen mit denselben Indefinitheitsmarkern (auch Modifikatoren genannt) nach dem Grad ihrer Grammatikalisierung charakterisiert und bewertet. Die zeitaufwändigste Phase des Projekts war die Gewinnung der Korpusdaten für die semantische Karte der 2. Generation (SemKartIn), indem die ausgewählten zusammengesetzten Reihen (51 in allen fünf Sprachen) anhand der Webkorpora semantisch annotiert und die Frequenzdaten für jeweils 28 Verwendungskontexte verifiziert wurden. Zusätzlich wurden 100 zufällige Verwendungen jeder Reihe für die SemKartIn des 2. Typs nach Semantik und Distribution (33 Kontexte) manuell annotiert. Es muss betont werden, dass es nur durch die intensive Zusammenarbeit der drei Projektteilnehmer mit Unterstützung der studentischen Hilfskraft Irina Maykova (verantwortlich für die Durchführung der Korpusabfragen) möglich war, diese große Menge an Korpusdaten zu extrahieren, zu annotieren und auszuwerten. Parallel zu den deskriptiven Arbeiten wurde die theoretische Dimension des Projekts entwickelt. Ursprünglich sollte das Projekt mit den gesammelten Daten einen theoretischen Beitrag vor allem zum Ansatz der SemKartIn leisten. Es sei jedoch auf die zusätzlichen Beiträge zur Theorie der Grammatikalisierung und zur Lizenzierung von Polaritätseinheiten hingewiesen, die bei der Antragsstellung nicht versprochen waren. Nach der Inventarisierung der ZIPs wurde klar, dass ohne eine fundierte Bewertung ihrer Grammatikalisierung keine weitere Arbeit möglich war: Die gesammelten Elemente zeigten eine sehr große Heterogenität in Bezug auf ihre Phonetik, Morphologie und Morphosyntax. Daher wurde eine Methode zur Messung des Grammatikalisierungsgrades von IPs entwickelt. Die nach Verwendungskontexten aufgeschlüsselten Frequenzdaten ermöglichten es, das Problem der Lizenzierung der IPs aus einer neuen Perspektive zu betrachten: Es wurde gezeigt, dass die Lizenzierung nur quantitativ erfolgt und dass es praktisch unmöglich ist, die Art der IPs allein anhand ihrer Kontextdistribution eindeutig zu bestimmen. Im Rahmen der Theorie der semantischen Kartierung wurde eine SemKartIn der Indefiniheit der neuen Generation entwickelt, die die eigentliche pronominale Semantik der ZIPs von ihren Verwendungskontexten trennt, andererseits aber Verbindungen zwischen beiden herstellt. Sie enthält auch angrenzende prä- und post-indefinite Bereiche. Diese Karte liefert die Frequenzdaten und behebt die bekannten Schwächen der klassischen Karte der Indefinitheit von Haspelmath. Die Forschung im Bereich der nicht-pronominalen Bedeutungskomponente der ZIPs ermöglichte die Erarbeitung einer Methodik zur korpusbasierten Identifizierung und präzisen Beschreibung der Evaluativität. Aufgrund der Komplexität der Entwicklung des Ansatzes konnte dieser leider nur auf CZ ZIPs angewendet und noch nicht in die neue SemKartIn integriert werden. In der letzten Phase wurde auf der Grundlage der SemKartIn eine sog. ‚weighted map‘ der Indefinitheit der slavischen Sprachen erstellt, die die zentralen und peripheren semantischen Primitiva sowie die Stärke der Verbindung zwischen den einzelnen Primitiva darstellt. Die statistische Analyse der SemKartIn ermöglichte es, eine Verbindung zwischen präindefiniten und indefiniten Bedeutungen sowie zwischen semantischen Primitiva und einzelnen Kontexttypen herzustellen. Die Clusteranalyse, die in Bezug auf die semantischen Primitiva und die Verwendungskontexte durchgeführt wurde, ermöglichte die Identifizierung ähnlicher ZIPs in den analysierten slavischen Sprachen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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