Detailseite
Projekt Druckansicht

Moralische Ökonomie und kirchliches Amt. Simoniediskurse im frühen Mittelalter (600-1050)

Fachliche Zuordnung Mittelalterliche Geschichte
Förderung Förderung von 2018 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 417677359
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersuchte die frühmittelalterliche Auseinandersetzung mit dem verbotenen kirchlichen Ämterkauf sowie untersagten Handel mit geistlichen Amtshandlungen im Frankenreich und seinen Nachfolgereichen. Der Fokus des Projekts lag dabei nicht auf tatsächlich nachweisbaren simonistischen Handlungen, sondern auf dem Umgang der Zeitgenossen mit diesem Phänomen, der sich sowohl in einer normativ-rechtlichen als auch literarischen Auseinandersetzung widerspiegelt. Vor dem Hintergrund damaliger Diskurse um eine moralisch angemessene Ökonomie des Klerus und Bestrebungen um eine Reform von Kirche und Gesellschaft lassen sich zwei Diskursstränge nachvollziehen, die zeigen, dass ein Nachdenken über Simonie vorrangig innerhalb des Episkopats erfolgte, der eine Notwendigkeit erkannte, anhand der Simoniethematik die Grundlagen des kirchlichen Amtsverständnisses weiter auszudifferenzieren. Zum einen diskutierten Bischöfe vom 6. bis zum frühen 11. Jahrhundert über den Zugang zum kirchlichen Amt, der durch eine simonistische Wahl und Weihe von Bischöfen, aber auch durch eine solche Einsetzung von Priestern an einer Kirche gefährdet werden konnte. Konkurrenz und rivalisierende Ansprüche, die durch simonistische Handlungen gefördert oder unterdrückt wurden, aber ein Streben nach Bedeutungszuwachs sowie materieller Bereicherung wurden dabei offengelegt und vor allem auf normativer Ebene durch Simonieverbote unterbunden. Zum zweiten wurden vor allem ab dem 9. Jahrhundert die Auswirkungen von Simonie auf die geistliche Amtsführung in den Blick genommen. Intensiv wurde darüber reflektiert, wie eine simonistische Handlung von einer erlaubten materiellen Zuwendung abgegrenzt und unterschieden werden konnte. Dies führte zu einer erheblichen Erweiterung des bisherigen Normenbestands an Simonieverboten, wenn nun die Gefahren simonistischer Handlungsmöglichkeiten in neuen Kontexten der kirchlichen Amtsausübung erkannt und durch entsprechende Verbote unterbunden wurden. Komplementär zu dieser normativen Ebene der Simoniediskurse fügen sich literarische Zeugnisse ein, die über den Untersuchungszeitraum hinweg in bestimmten Konjunkturen überliefert sind. Sie entstanden häufig als Ergebnisse von konkreten Lebens- und Krisensituationen und spiegeln gerade im 10. und frühen 11. Jahrhundert eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber simonistischen Möglichkeiten wider, die sich auch in Form von Geständnissen und Reflexionen über Rechtfertigungen von Simonisten niederschlägt. Insgesamt stärken die Ergebnisse des Projekts damit drei Tendenzen der jüngeren Mediävistik. Zum einen rücken sie die Bedeutung von Bischöfen als eigenständige Handlungs- und Diskursträger in den Fokus, zum anderen verweisen sie auf die zeitgenössischen Fähigkeiten zu einem differenzierten Umgang mit einer Rechts- und Normenvielfalt und schließlich unterstreichen sie die Perspektive, das 11. Jahrhundert nicht als eine Zäsur zu verstehen, sondern die Kontinuitäten zu den vergangenen Jahrhunderten, insbesondere der Karolingerzeit, zu betonen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung