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Echtzeitanalyse von sprachlichen Veränderungen über die Lebensspanne
Antragstellerin
Professorin Isabelle Buchstaller, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung
Förderung seit 2019
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 418602718
Das LALL-Projekt zielt darauf ab, eine zentrale empirische und theoretische Lücke in den Sprachwissenschaften zu schließen: die Erforschung von sprachlichen Veränderungen in Daten, die das gesamte erwachse, Lebensalter abdecken und die Nutzung der somit gewonnenen Erkenntnisse, um unser Verständnis der Beziehung von Sprache und Alter(n) voranzutreiben. Während die Forschung in der Psychologie und den Kognitionswissenschaften zunehmend Daten zu Veränderungen in Persönlichkeitsmustern und der Plastizität des Gehirns über die gesamte menschliche Lebensspanne erheben, ist die Erforschung der mittleren und späteren Lebensphasen innerhalb der empirischen Sprachwissenschaft nach wie vor unterrepräsentiert. Neben einer unzulänglichen Datenlage fehlt insbesondere ein fundierter, interdisziplinärer Dialog über die Auswirkungen des sozialen und physiologischen Alterns auf die Sprache und somit über die grundlegenden Prinzipien des Sprachwandels. Das LALL-Projekt will diese Lücken schließen und in zweierlei Hinsicht Neuland betreten: (i) Empirisch: durch den Aufbau des weltweit umfassendsten Korpus zur Analyse sprachlicher Veränderungen im Laufe des Erwachsenenalters. Ähnlich wie bei groß angelegten Panel Survey-Instrumenten in der Medizin und den Sozialwissenschaften plant das LALL Projekt, einer Gruppe sozial stratifizierter Personen in zeitlich gleichmäßig verteilten Datenpunkten über die gesamte erwachsene Lebensspanne hinweg zu folgen. Hierfür erweitert LALL ein bestehendes Panel-Korpus zu einem innovativen Datensatz, der die Analyse von soziolinguistischen Aufzeichnungen in Verbindung mit modernsten biometrischen und psycho-sozialen Testdaten auf der Basis von drei- bzw. vier Erhebungswellen, die in jeweils 7-jähigen Abständen erhoben werden, möglich macht. Erkenntnisse aus zeitlich äquidistanten Paneldaten und innovativen Testverfahren geben erstmalig nuancierte Einblicke in die Beziehung zwischen Reifungseffekten sowie altersbedingter Lebenserfahrungen und sprachlicher (In)stabilität im Erwachsenenalter. (ii) Theoretisch: LALL nutzt diesen einzigartigen Panel-Korpus als kohärenten Ausgangspunkt für die Analyse der sprachlichen Labilität im Laufe der erwachsenen Lebenspanne. Hierfür beruft das LALL-Team einen Beirat aus den Sprachwissenschaften und verwandten Fachgebieten, um einen konstruktiven interdisziplinären Dialog über die Relevanz der aus diesem Datensatz gewonnenen Erkenntnisse für unser Verständnis des diachronen Sprachwandels anzuregen. Somit schafft LALL einen analytischen Rahmen für die Modellierung sprachlichen Wandels, welche die Beziehung zwischen Maturation und Sprachgebrauch einbezieht. Das übergeordnete Ziel von LALL ist somit die erstmals vollständige Erfassung von sprachlicher (In-)Stabilität im Laufe des Erwachsenlebens, sowie die Formalisierung dieser Erkenntnisse in ein systematisches und pan-theoretisch relevantes Modell der komplexen Wechselbeziehung zwischen diachronem Sprachwandel und menschlicher Alterung.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
