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Stichprobeneffekte infolge selbst-terminierter Informationssuche

Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung Förderung von 2018 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 420128411
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Eines der am besten etablierten Prinzipien der psychologischen Forschung betrifft die Informationsmenge: Lernfortschritt nimmt mit der Anzahl der Lerndurchgänge zu. Nach Bernoullis (1713) Gesetz der großen Zahlen spiegeln große Stichproben in der Grundgesamtheit vorhandene Trends zuverlässiger wider als kleine Stichproben. Anwendungen dieses Prinzips finden sich in vielen Feldern der Verhaltensforschung. Eine scheinbar unvereinbare Hypothese besagt indessen, dass ein Trend in einer kleinen Stichprobe besser sichtbar sein kann als in einer großen Stichprobe, wenn deren bezeichnen dieses Phänomen Self-Truncation Effekt. Obwohl deren zugrunde liegende Prinzipien in der einschlägigen Literatur gut etabliert sind, wurde das Phänomen erst in jüngster Zeit experimentell aufgegriffen. Self-Truncation scheint offenkundig der “wisdom of the crowd” (Surowiecki, 2004), zu widersprechen, die ganz auf der Linie des Gesetzes der großen Zahlen liegt. Beide Prinzipen zeigen jedoch nur verschiedene Aspekte von Bernoullis Gesetz. Das Gesetz der großen Zahlen besagt, dass sich Kennwerte großer Stichproben den Populationsparameter annähern. Umgekehrt impliziert dasselbe Gesetz, dass die größere Dispersion kleiner Stichproben stärkere Primacy-Effekte erzeugen kann. Wenn die Abbruchregel, welche die Stichprobengröße bestimmt, nicht die Stichprobengröße nicht vorab fixiert, sondern durch Self-Truncation zur abhängigen Variablen wird, dann ermöglicht die Ungenauigkeit kleiner Stichproben dem Individuum, genau in dem Moment die Informationssuche abzubrechen, wenn ein Trend am klarsten zu erkennen ist. Man kann durch Simulation und auch experimentell zeigen, dass praktisch jede plausible Abbruchregel zu negative Korrelationen zwischen Stichprobengröße und extremen Urteilen führt. Self-Truncation erzeugt nicht nur extreme Entscheidungen, sondern auch richtige Entscheidungen unter den meisten denkbaren Bedingungen. Die herausfordernde scheinbare Widersprüchlichkeit beider Prinzipien, war das Hauptziel dieses Forschungsprojekts. Den logischen Grundlagen entsprechend führten kleine Stichproben zu weniger akkuraten Entscheidungen wenn die Stichprobengröße eine unabhängige Variable war, aber zu besseren Entscheidungen, wenn die Größe der Stichprobe durch Self-Truncation zur abhängigen Variablen wurde.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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