Joel Bri’l Löwe: Die Breslauer Schulschriften im Kontext (1791-1801)
Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsprojekt beschäftigte sich mit dem 1761 in Berlin geborenen jüdischen Gelehrten Joel Bril bzw. Joel Löwe, wie er sich in seinen deutschen Publikationen nannte, einer zentralen Figur der Haskala. Der Fokus des Vorhabens lag auf seiner Zeit in Breslau (1791–1802). Im Rahmen seiner zehnjährigen Lehrtätigkeit als erster Oberlehrer an der jüdischen Königlichen Wilhelmsschule verfasste Bril/Löwe nicht nur etliche Schulprogrammschriften mit wissenschaftlichen Abhandlungen zu diversen Themen, sondern auch eine hebräische Elementargrammatik und eine Übersetzung der fünf Bücher Mose „für Anfänger“. Zudem trug Löwe mit zahlreichen Artikeln zu verschiedenen Periodika bei, darunter Johann Gottfried Eichhorns Allgemeine Bibliothek der biblischen Literatur, Joachim Heinrich Campes Beiträge zur weitern Ausbildung der deutschen Sprache, die Schlesischen Provinzialblätter und die hebräische Zeitschrift Hameʾassef, deren Breslauer Ausgabe (1794–1797) er mit dem befreundeten Kollegen Aaron Wolfssohn herausgab. Mit seinen vielen hebräisch- und deutschsprachigen Veröffentlichungen erwies sich Bril/Löwe als vielseitig interessierter und auch öffentlich engagierter Gelehrter, dem von der Breslauer Provinzialregierung der Titel eines „Professors“ verliehen wurde. Zu seinen Interessensgebieten zählten neben hebräischen Studien (Philologie, Exegese, Bibelwissenschaft, Kabbala) vor allem die deutsche Sprachwissenschaft (Grammatik, Sprachkritik, Semantik). Im Rahmen des Projekts wurde eine umfangreiche historisch-kritische Quellenedition der in Breslau entstandenen Schriften Brils/Löwes und anderer Dokumente aus der Frühgeschichte der Wilhelmsschule erstellt. Diese Edition seltener historischer Drucke und archivalischer Quellen wird in dem Band, der das wichtigste Ergebnis des Projekts darstellt, mit kontextualisierenden Beiträgen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen ergänzt. Mit der umfassenden Erschließung und Kontextualisierung von Brils/Löwes Wirken in Breslau leistet der Band dreierlei. Erstens macht die Edition der bisher schwer greifbaren Schriften Löwes aus dieser Zeit einen wichtigen Teil seines Werks zugänglich und schafft dadurch eine Grundlage für dessen Würdigung. Zweitens wird in bildungsgeschichtlicher Perspektive die Frühgeschichte einer Schule erhellt, der als zweiter moderner Erziehungsinstitution der Haskala in Preußen – nach der Berliner jüdischen Freischule – vermehrte Aufmerksamkeit gebührt. Drittens bietet der Band, wie die wissenschaftlichen Aufsätze im Beitragsteil aufzeigen, zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Erforschung der wissenschaftsgeschichtlichen Konstellationen des späten 18. Jahrhunderts, besonders in den Bereichen Grammatik und Linguistik, Bibelforschung und -übersetzung sowie Bildung und Pädagogik. Der Editions- und Sammelband erschien in der Schriftenreihe Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland (Waxmann Verlag). Als zusätzliches Forschungsresultat entstand ein Themenheft von Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden mit mehreren thematisch erweiterten Beiträgen zum politischen, sozialen, publizistischen und literarischen Kontext der „Haskala in Breslau“, das im Juni 2024 erschienen ist.
Link zum Abschlussbericht
https://doi.org/10.21248/gups.96679
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, Band 34, Heft 1 (2024): Themenheft „Haskala in Breslau“ (154 S.)
Uta Lohmann & Kathrin Wittler (Hg.)
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Joel Bril Löwe in Breslau. Die Schulprogramme und andere Schriften im Kontext (1790–1802). Unter Mitarbeit von Rainer Wenzel und Lisa Trzaska (Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland, Band 11). Münster und New York: Waxmann Verlag, 2024 (859 Seiten). [ISBN 978-3-8309-4881-0 (Print-Version), 978-3-8309-9881-5 (E-Book)]
Uta Lohmann & Kathrin Wittler (Hg.)
