Alltag in der antiken Stadt Elephantine, Südägypten – Mikroanalytische Forschungen an Archäosedimenten
Physische Geographie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die antike pharaonische Siedlung Elephantine ist seit dem fünften vorchristliche Jahrtausend bis heute besiedelt. Archäologisch wird der Platz seit den 1960er Jahren erschlossen. Wenig untersucht ist der Alltag Elephantines. Die gut erhaltenen Kulturschichten des Siedlungshügels beherbergen Informationen, die auf Mikroebene erschlossen werden können. Geoarchäologisch-archäometrische Analysen können helfen, die Genese des Fundplatzes zu erschließen und die sonst eher leer erscheinenden Architekturbefunde mit „Leben“ zu füllen. Die Erforschung der Archäosedimente von Elephantine sollten vor Ort mittels Mikromorphologie und paralleler Phytolithanalysen erfolgen. Vor Beginn des Projektzeitraums waren umfangreiche Beprobungen erfolgt, was sich in der pandemischen Lage, die es seit Anfang 2020 unmöglich machte nach Ägypten zu reisen als ausgesprochen hilfreich erwies. So wurden die Dünnschliffe nicht am Mikroskop, sondern deren Scanbilder mittels Bildanalyse interpretiert. Ein zuvor getesteter Algorithmus wurde für eine überwachte Klassifizierung und Quantifizierung für die fünf Klassen Keramik, Knochen, Holzkohle, Matrix und Porenraum trainiert. Die Klassifizierung liefert gute Ergebnisse, die jedoch expertengestützt verifiziert werden müssen. So bietet die Kombination von Klassifizierungssoftware und der mikromorphologischen Expertise eine gute Möglichkeit, eine traditionell qualitative mikromorphologische Analyse in eine quantitative Charakterisierung komplexer anthropogener Sedimente zu verwandeln. Mit der Klassifizierung ist es möglich, bekannte Inhalte zu identifizieren, zu kategorisieren und zu quantifizieren. Extrahierte Phytolithe aus den Brennexperimenten zur Einordnung der hitzebedingten Veränderungen wurden makroskopisch, mikroskopisch und mittels REM analysiert. Dafür standen vier in früherer Zeit häufig vorkommende Pflanzen und Ziegen- bzw. Schafdung zur Verfügung. Die Pflanzenkompartimente wurden unter Laborbedingungen bei verschiedenen Sauerstoffbedingungen bei fünf Temperaturstufen und mit einer offenen Flamme verbrannt. Schon ab einer Temperatur von 450°C scheint es zu einer hitzebedingten Veränderung der Phytolithe zu kommen, die nur im REM sichtbar ist. Ab 800°C ist die Identifikation der diagnostischen Phytolithe teilweise stark erschwert. Phytolithe aus Material, das bei 1000°C erhitzt wurde sind nicht mehr identifizierbar. Die Verbrennung mit der offenen Flamme führt zu starker Verfärbung der Phytolithe. Dieses Ergebnis könnte nützlich sein, um Schwelbrände von offenem Feuer zu unterscheiden Durch den Verlust der Identifizierbarkeit bereits ab 800°C könnte es zu einer möglichen Unterschätzung von Pflanzen oder Teilen von Pflanzen in archäologischen Sedimenten kommen. Durch die Verbrennung mit einer offenen Flamme scheint es zu einer Färbung der Phytolithe zu kommen.
