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„No Sex Please, We are Catholic“. Reproduktion und Partnerschaft im Spannungsfeld zwischen (De-)Säkularisierung und (De-)Privatisierung von Religion in Irland und Polen

Antragsteller Dr. Michael Zok
Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 421920062
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt analysierte die diskursiven Verflechtungen nationaler und religiöser Identität, (Bio-)Politik, Demografie und Reproduktionsrechten in Irland und Polen. Es zeigten sich neben Ähnlichkeiten deutliche Unterschiede, insbesondere hinsichtlich der politischen Instrumentalisierung von Religion: So kann für den irischen Fall von einer Emanzipation der politischen Eliten von der katholischen Kirche gesprochen werden. Dies war bedingt durch Liberalisierungstendenzen, die in der sich urbanisierenden Gesellschaft seit den 1960er Jahren auftraten und auch auf transnationale Trends zurückzuführen sind. In Polen hingegen kam es seit den 1970er Jahren zu einer Annäherung zwischen den kommunistischen Eliten und der Kirche, wobei innerhalb der kommunistischen Partei der Versuch der forcierten Säkularisierung der Gesellschaft als gescheitert angesehen wurde. Stattdessen versuchten deren Führungen, die Kirche zur Stabilisierung ihrer an Legitimation mangelnden Herrschaft zu nutzen. Ein von ihnen unerwünschter Effekt war, dass die in der Bevölkerung vorhandene Autorität der Kirche weiter stieg und nach der Wahl Johannes Pauls II. ihr Apogäum erreichte. Das 1989 bildete einen Umkehrpunkt in dieser Hinsicht: Während sich nationalkatholische Politiker*innen die Autorität der Kirche (auch gegen deren Willen) zu Nutze machen wollten, um ihre Vorstellung eines „neuen katholischen Polens“ umzusetzen, distanzierten sich Teile der Dissidenten, die zuvor mit der Kirche kooperiert hatten, aus Furcht vor einer religiösen Vereinnahmung des postkommunistischen Staates. Einer der markanten Punkte im Streit um die Zukunft von ‚Staat‘ und ‚Nation‘ waren in beiden Ländern Fragen der Sexualmoral. Dies war mit politischen Diskursen verbunden, in denen Familienvorstellungen, Verhütungsmittel und Abtreibungen - insbesondere auf der politischen Rechten - als Signifikant der Zugehörigkeit zur katholisch definierten eigenen Nation dominierten, wobei ein antikoloniales Othering betrieben und dissidente Auffassungen externalisiert wurden. Dies stand im engen Verhältnis zur eigenen Geschichte und der Angst vor dem Verschwinden der Nation: in Irland aufgrund von Migration, die nach der Großen Hungersnot im 19. Jahrhundert einsetzte; in Polen als Folge der Erfahrung von Fremdherrschaft im 19. und Genozid im 20. Jahrhundert. Jedoch entwickelte sich in den 1980er Jahren ein entscheidender Unterschied: Während sich die Diskurse in Polen an religiös-ethnonationalistischen Konzepten aus dem 19. Jahrhundert orientierten, erfand sich die irische Nation „neu“, indem sie einerseits ihre Beziehungen zu UK und EG/EU neu definierte und andererseits Reformen durchführte, die den Aufstieg des ‚Celtic Tiger‘ begünstigten und Irland erstmals zum Ziel von Migration machten. Hinzukamen die Sexskandale innerhalb der irischen katholischen Kirche, wobei die eingangs erwähnte Emanzipation von der Kirche eine Voraussetzung für deren Aufarbeitung und den damit einhergehenden Autoritätsverlust der Kirche war.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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