„No Sex Please, We are Catholic“. Reproduktion und Partnerschaft im Spannungsfeld zwischen (De-)Säkularisierung und (De-)Privatisierung von Religion in Irland und Polen
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt analysierte die diskursiven Verflechtungen nationaler und religiöser Identität, (Bio-)Politik, Demografie und Reproduktionsrechten in Irland und Polen. Es zeigten sich neben Ähnlichkeiten deutliche Unterschiede, insbesondere hinsichtlich der politischen Instrumentalisierung von Religion: So kann für den irischen Fall von einer Emanzipation der politischen Eliten von der katholischen Kirche gesprochen werden. Dies war bedingt durch Liberalisierungstendenzen, die in der sich urbanisierenden Gesellschaft seit den 1960er Jahren auftraten und auch auf transnationale Trends zurückzuführen sind. In Polen hingegen kam es seit den 1970er Jahren zu einer Annäherung zwischen den kommunistischen Eliten und der Kirche, wobei innerhalb der kommunistischen Partei der Versuch der forcierten Säkularisierung der Gesellschaft als gescheitert angesehen wurde. Stattdessen versuchten deren Führungen, die Kirche zur Stabilisierung ihrer an Legitimation mangelnden Herrschaft zu nutzen. Ein von ihnen unerwünschter Effekt war, dass die in der Bevölkerung vorhandene Autorität der Kirche weiter stieg und nach der Wahl Johannes Pauls II. ihr Apogäum erreichte. Das 1989 bildete einen Umkehrpunkt in dieser Hinsicht: Während sich nationalkatholische Politiker*innen die Autorität der Kirche (auch gegen deren Willen) zu Nutze machen wollten, um ihre Vorstellung eines „neuen katholischen Polens“ umzusetzen, distanzierten sich Teile der Dissidenten, die zuvor mit der Kirche kooperiert hatten, aus Furcht vor einer religiösen Vereinnahmung des postkommunistischen Staates. Einer der markanten Punkte im Streit um die Zukunft von ‚Staat‘ und ‚Nation‘ waren in beiden Ländern Fragen der Sexualmoral. Dies war mit politischen Diskursen verbunden, in denen Familienvorstellungen, Verhütungsmittel und Abtreibungen - insbesondere auf der politischen Rechten - als Signifikant der Zugehörigkeit zur katholisch definierten eigenen Nation dominierten, wobei ein antikoloniales Othering betrieben und dissidente Auffassungen externalisiert wurden. Dies stand im engen Verhältnis zur eigenen Geschichte und der Angst vor dem Verschwinden der Nation: in Irland aufgrund von Migration, die nach der Großen Hungersnot im 19. Jahrhundert einsetzte; in Polen als Folge der Erfahrung von Fremdherrschaft im 19. und Genozid im 20. Jahrhundert. Jedoch entwickelte sich in den 1980er Jahren ein entscheidender Unterschied: Während sich die Diskurse in Polen an religiös-ethnonationalistischen Konzepten aus dem 19. Jahrhundert orientierten, erfand sich die irische Nation „neu“, indem sie einerseits ihre Beziehungen zu UK und EG/EU neu definierte und andererseits Reformen durchführte, die den Aufstieg des ‚Celtic Tiger‘ begünstigten und Irland erstmals zum Ziel von Migration machten. Hinzukamen die Sexskandale innerhalb der irischen katholischen Kirche, wobei die eingangs erwähnte Emanzipation von der Kirche eine Voraussetzung für deren Aufarbeitung und den damit einhergehenden Autoritätsverlust der Kirche war.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Die Politisierung und rechtliche Einhegung von Sexualität und Reproduktion in Polen: Moral, Demografie, (weibliche) Selbstbestimmung, in: Nordost-Archiv XXIX (2020), S. 75-96
Michael Zok
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(K)Ein ‚Kompromiss‘? Der Konflikt um die Neuregulierung des Schwangerschaftsabbruchs in Polen in den 1980er/1990er Jahren, in: Ariadne Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte 77 (2021), S. 164-181. ISBN 978-3-926068-30-9
Michael Zok
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Reproduktionsrechte als Konfliktzonen zwischen »Säkularisierung« und »Tradition« anhand der Beispiele Irland und Polen. Feministische Studien, 39(1), 55-74.
Zok, Michael
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“To Maintain the Biological Substance of the Polish Nation” : Reproductive Rights as an Area of Conflict in Poland. Hungarian Historical Review, 10(2), 357-381.
Zok, Michael
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Gendered Social Policies in (Post-)Communist Countries: The Case of Poland. Ревија за социјална политика/Journal of Social Policy(18), 37-53.
Zok, Michael
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„The Family Is the Basic Cell of Society”: Family, Reproduction, and Demography in the Political Thought of Communists and Catholics in Post-War Poland, in: Jure Ramšak, Gašper Mithans, Mateja Režek (Hrsg.): Christian Modernity and Marxist Secularism in East Central Europe: Between Conflict and Cooperation. Zagreb: srednja europa, 2022, S. 233–55. ISBN 978-953-8281-77-8
Michael Zok
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#13: Individuelle Familienplanung und das Recht auf Abtreibung in Polen und Deutschland, Wissen entgrenzen - Der Podcast der Max Weber Stiftung
Michael Zok,Claudia Roesch & Janine Funke
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Interdependenzen zwischen Sozialpolitik und Demografie im (post-)kommunistischen Polen. Ökonomische Verflechtungen, geschlechterspezifische Entwicklungen, traditionelle Lösungen. Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2024, 249-262. Metropol Verlag.
Zok, Michael
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Introduction: Liminality and the Circle of Life in Modern Societies. The Circle of Life, 7-18. Rombach Wissenschaft – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft.
Greiner, Florian & Zok, Michael
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Neglecting Liminality? The Question of the Beginning of Life in Polish Post-war Discourses. The Circle of Life, 99-122. Rombach Wissenschaft – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft.
Zok, Michael
