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Retrograde Signalwege und Änderungen im kardialen Metabolismus durch dysfunktionale Mitochondrien im Barth Syndrom

Antragsteller Dr. Jan Alexander Dudek
Fachliche Zuordnung Zellbiologie
Biochemie
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 423600288
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Mitochondrien spielen im Herzen eine wesentliche Rolle bei der Bereitstellung von Energie und bei der Aufrechterhaltung der Redoxhomöostase. Eine angeborene mitochondriale Dysfunktion beim Barth-Syndrom (BTHS) führt zu einer Kardiomyopathie, einer skelettalen Myopathie und zu einer Wachstumsverzögerung. Der Phänotyp der Kardiomyopathie ist mit einer diastolischen Dysfunktion bei erhaltener Pumpfunktion, einer verringerten kontraktilen Reserve und erhöhten Arrhythmien verbunden. BTHS wird durch einen Defekt in der Biosynthese des mitochondrialen Phospholipids Cardiolipin (CL) verursacht, das eine wichtige Rolle in der inneren Membran spielt. Ein CL-Mangel führt zu einem strukturellen Umbau der mitochondrialen Atmungskette und zu einer verringerten Aktivität des Krebszyklus. Darüber hinaus beeinträchtigt ein Defekt im mitochondrialen Calcium-Uniporter (MCU) die Aktivierung des mitochondrialen Stoffwechsels, verhindert die Anpassung des Metabolismus auf erhöhte Arbeitsbelastungen und gefährdet das Redoxgleichgewicht. Defekte in der Redoxhomöostase und in der Energiegewinnung verursachen Arrhythmien. Hier zeigen wir, dass der Energiestoffwechsel im BTHS insbesondere auch durch eine Verringerung der Fettsäureoxidation betroffen ist. Die Fettsäureoxidation liefert den größten Teil des Energiebedarfs im gesunden Herzen. Mitochondriale Dysfunktionen aktivieren retrograde Signalwege, die kompensatorische metabolische Veränderungen induzieren können. Dazu zeigen wir die Aktivierung der integrierten Stressreaktion (ISR), und die Phosphorylierung des eukaryotischen Initiationsfaktors 2α (eIF2α). Wir befassen uns mit dem molekularen Mechanismus, durch den eine mitochondriale Dysfunktion Sensorkinasen im endo-/sakroplasmatischen Retikulum aktiviert. ISR induziert die parallele Genexpression mehrerer Transkriptionsfaktoren, darunter ATF3, ATF4 und ATF5. Wir zeigen, dass die ATF4-Aktivierung bei BTHS erhebliche Veränderungen im kardialen Aminosäurestoffwechsel induziert. Mithilfe von markierten Substratmolekülen in vitro (iPSC-Kardiomyozyten) und in vivo (Mausmodell) beobachteten wir eine kompensatorische Hochregulierung der Serin-Biogenese und des Folatzyklus. ATF4 induziert einen Anstieg der Aktivität eines Cysteintransporters. So konnten wir eine erheblichen Erhöhung der Cysteinaufnahme im Herzen mit Hilfe der Positronenemissionstomographie (PET) eines Cysteinradiotracers in vivo nachweisen. Diese Stoffwechselveränderungen dienen dazu, die Glutathionbiosynthese zu steigern, um Defekte in der Redoxhomöostase auszugleichen. Zudem erhöht die ISR auch den anaplerotischen Glutaminfluß in den Krebszyklus, um so die Enegiegewinnung der Zelle zu verbessern. Diese Erkenntnisse über Stoffwechselveränderungen erlauben die Entwicklung neue Konzepte für therapeutische Interventionen bei mitochondrialen Kardiomyopathien, für die derzeit keine Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sind.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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