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Things in medieval literature: Historic modes of human-thing-relations

Subject Area German Medieval Studies (Medieval German Literature)
Term from 2019 to 2024
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 424094754
 
Final Report Year 2025

Final Report Abstract

Materielle Dinge (verstanden als unbelebte, stofflich kompakte und abgrenzbare sowie prinzipiell mobile Entitäten) sowie die menschliche Sicht auf sie und der Umgang mit ihnen sind in den mediävistischen Disziplinen der letzten Jahrzehnte vielfach untersucht worden. Unser Netzwerk arbeitete zunächst an der Kontaktstelle von Dingen und Texten (Themenheft „Textual Thingness / Textuelle Dinghaftigkeit“, MEMO – Medieval and Early Modern Material Culture Online, 2020). Darauf aufbauend zielte die Zusammenarbeit darauf, die verschiedenen in der Literatur-, Geschichts- und Kulturwissenschaft bereits vorhandenen Ansätze der Dingforschung zu vermitteln und zu vertiefen. Zu diesem Zweck stellte das Netzwerk drei grundsätzliche Möglichkeiten des Weltbezugs der Menschen in den Fokus – (1) Perzeption und Kognition; (2) Emotionen und Begehren; (3) Kommu-nikation und Handlung – und fragte dabei nach der jeweiligen Rolle der Dinge: Was machen wir mit ihnen, was machen sie mit uns? Entsprechend der drei Möglichkeiten des Weltbezugs wurden drei Workshops organisiert, deren Ergebnisse in einem gemeinsamen Sammelband publiziert sind (Nicht unbedingt. Mensch-Ding-Beziehungen in mediävistischer Sicht, Berlin 2024). Die genannten Möglichkeiten des Weltbezugs werden dabei nicht nur vom menschlichen Individuum her gedacht, sondern – und dies wurde im Verlauf der Netzwerkarbeit dominant – in Bezug auf die historischen Gesellschaften und deren Wandel. In der Auseinandersetzung mit möglichen historischen Makronarrativen erwiesen sich die von Niklas Luhmann umrissenen Subsysteme der modernen Gesellschaft, welche sich nämlich als Diskursfelder bereits im Mittelalter abzeichnen, als produktive Kategorien der exemplarisch arbeitenden Beiträge: Betrachtet wird, welche Rolle Dinge in den Bereichen der Religion, der Wirtschaft, der Kunst, der Wissenschaft und Technik sowie der Liebe spielten. Leitend für unsere Diskussionen waren zwei Hypothesen: erstens, dass Dinge im Mittelalter tendenziell stärker religiös aufgeladen und weniger eindeutig als in der Moderne z. B. als sakrale Objekte, Konsumartikel, Kunstwerke oder Gebrauchsgegenstände zu klassifizieren waren; zweitens, dass Dinge im Mittelalter qua religiöser Aufladung eine Macht über den Menschen besaßen, die ihnen in der Moderne abgeht. Daraus folgt die Frage nach dem Status der Dinge in der mittelalterlichen Gesellschaft auf der Skala zwischen den Polen der Subjekt- und Objektposition und die Frage nach einer tendenziellen Verschiebung hin zu Letzterem im Verlauf der Neuzeit. Das Potential der Dinge, sei es in der Naturkunde (vgl. das desiderium na-turae), sei es im sakralen Bereich, dem Pol der Subjektposition näher zu stehen, war – so machte unsere Arbeit deutlich – in der Vormoderne stärker ausgeprägt. Gleichzeitig, so ergab unsere Arbeit ebenfalls, ist die Hypostasierung einer den Dingen innewohnenden Kraft (oder auch: Magie) sowie der unhistorische Gebrauch des Fetischbegriffs in vielen Forschungsansätzen zu kritisieren. Der zentrale Untersuchungsgegenstand – fiktionale Dinge in mittelalterlicher Literatur – bietet die Chance, dem gesellschaftlichen Imaginären einer ferngerückten Epoche auf die Spur zu kommen. Denn selbstverständlich kann die beobachtbare Skala von Subjekt- und Objektposition von Dingen stets nur auf der Ebene dieses Imaginären situiert sein. In fiktionalen Texten tritt dies keinesfalls als einseitige ‚Spiegelung‘ des zeitgenössischen Realitätsempfindens zutage; vielmehr instigiert die Netzwerkarbeit zukünftige Forschung, die wechselseitigen Bedingtheiten von Fiktionalität einerseits und vom vorgeordneten gesellschaftlichen Imaginären sowie von den materiellen Voraussetzungen einer historischen Kultur andererseits zu eruieren.

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