Detailseite
Projekt Druckansicht

Ionische Transporteigenschaften von nanokristallinen Hochentropie-Oxiden

Antragsteller Professor Dr.-Ing. Horst Hahn, seit 2/2022
Fachliche Zuordnung Thermodynamik und Kinetik sowie Eigenschaften der Phasen und Gefüge von Werkstoffen
Herstellung und Eigenschaften von Funktionsmaterialien
Förderung Förderung von 2019 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 424789449
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Anorganische ionenleitende Materialien spielen eine zentrale Rolle in elektrochemischen Systemen zur Energiespeicherung und -umwandlung. Eine neuartige Materialklasse, bekannt als Hochentropiematerialien, hat in den letzten Jahren aufgrund ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften zunehmende Aufmerksamkeit erlangt. Die Konfigurationsentropie dieser Materialien wird durch die Mischung von fünf oder mehr Elementen auf einem Gitterplatz innerhalb einer einphasigen Kristallstruktur signifikant erhöht. Bei Vorliegen einer positiven Mischenthalpie kann dadurch sogar eine entropisch-stabilisierte Kristallstruktur realisiert werden, die für die jeweiligen Reinelementverbindungen thermodynamisch nicht zugänglich ist. Im Rahmen dieses Projekts wurden mehrere Hochentropieoxide (HEOs) synthetisiert, um den Einfluss der erhöhten konfigurationsbedingten Entropie sowie der daraus resultierenden Hochentropieeffekte – wie Gitterverzerrungen und dem sogenannten Cocktail-Effekt – auf die ionische Leitfähigkeit zu untersuchen. Dabei wurde sowohl die kationische Leitfähigkeit (Li⁺) als auch die anionische Leitfähigkeit (O²⁻) betrachtet. Das erste untersuchte Materialsystem innerhalb dieser Kooperation zwischen dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Indian Institute of Technology (IIT) Madras war ein Li-Ionen-leitendes Übergangsmetall-basiertes R-HEO mit einer phasenreinen Kochsalzstruktur. Für den Sauerstoffionentransport entlang des anionischen Untergitters wurde eine auf Seltenerdmetallen basierende F-HEO mit Fluoritstruktur analysiert. Darüber hinaus wurden weitere Materialsysteme entwickelt, um bestehende Herausforderungen zu adressieren, darunter garnet-artige Li-Ionen-Leiter sowie Perowskitstrukturen für sowohl Lithium- als auch Sauerstoffionenleitfähigkeit. Die untersuchten Materialien wurden mittels modernster Charakterisierungsmethoden und Verarbeitungstechniken umfassend analysiert, um ein detailliertes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen chemischer Zusammensetzung, Kristallstruktur, Defektchemie und ionischem Transportverhalten in Hochentropieoxiden zu erlangen. Abschließend wurden die entwickelten Materialsysteme in elektrochemische Zellen integriert – sowohl als Festelektrolyte als auch als Elektroden- und Beschichtungsmaterialien. Diese Arbeiten eröffnen neue Perspektiven für die Weiterentwicklung von Hochentropiematerialien sowohl im Hinblick auf fundamentale wissenschaftliche Fragestellungen als auch technologische Anwendungen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung