Die an die Schüler und Schülerinnen gerichtete Sprache (SgS). Zur Adaptivität sprachlichen Lehrer/innen-Handelns im Unterricht
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Ziel des Projekts ist eine linguistisch möglichst exakte Beschreibung sprachlicher Merkmale der an die Schüler:innen gerichteten Sprache (SgS). Wir fragen also danach, inwiefern Lehrpersonen ihre Unterrichtssprache (den Input) an den sprachlichen Entwicklungsstand ihrer Schüler:innen unterschiedlicher Jahrgangsstufen adaptieren. Als Erwerbsziel nehmen wir Kompetenzen im Bereich der konzeptionellen Schriftlichkeit an. In einer engeren Fokussierung fragen wir zusätzlich, inwiefern Lehrpersonen in der Interaktion mit ihren Schüler:innen unterstützende Sprachhandlungen einsetzen, indem sie Schüler:innen im unmittelbaren Kontrast zu ihrer vorausgehenden Äußerung eine Art modellhaftes Feedback anbieten. Analysiert wird ein Korpus von insgesamt 32 videographierten Unterrichtstunden. Kernidee des Erhebungsdesigns ist, den Faktor Lehrperson in drei gymnasialen Jahrgangsstufen (Unter-, Mittel- und Oberstufe) konstant zu halten, um ggf. vorliegendes sprachlich adaptives Sprachhandeln beobachten zu können. In den Jahrgangsstufen wurde jeweils eine Doppelstunde bei insgesamt vier Biologie- und vier Deutschlehrpersonen videodokumentiert (pro Fach jeweils zwei männlich/zwei weiblich). So kann ein direkter, intraindividueller Vergleich des sprachlichen Handelns der Gymnasiallehrpersonen erfolgen. Vergleichsdaten zum unteren Rand des Jahrgangsstufenspektrums beziehen wir durch acht zusätzlich erhobene Grundschullehrpersonen, die in der Jahrgangsstufe 3 die Fächer Deutsch oder Sachunterricht mit biologischer Schwerpunktsetzung unterrichten. Bezüglich einer Inputadaption zeigen die Analysen, dass die teilnehmenden Lehrpersonen ihre Sprache bis zur Oberstufe immer stärker in Richtung konzeptioneller Schriftlichkeit ausbauen – und dies insbesondere in den morphologischen und phrasen-bezogenen Untersuchungskategorien, kaum oder gar nicht ist dies allerdings der Fall in den syntaktischen Kategorien auf Ganz- und Gliedsatzebene. Eine Reihe von Kategorien deuten also auf eine Modellfunktion der Lehrer:innen-Sprache hin, bestimmte andere aber auch nicht. Im Bereich unterstützender Sprachhandlungen lässt sich zeigen, dass die Lehrpersonen positive Rückmeldungen tendenziell explizit formulieren, während sie negative tendenziell implizit realisieren. Explizite Rückmeldungen (positive/negative) speziell zu sprachlichen Merkmalen der Schüler:innen-Äußerungen liegen in nur marginaler Fallzahl vor. Rückmeldungen zu sprachlichen Aspekten geben die Lehrpersonen überwiegend implizit. Dabei zeigt sich im Jahrgangsstufenvergleich, dass Formen, die stark wiederholend an die Schüler:innen-Äußerung anschließen (Expansionen), v. a. in Primar- und Unterstufe dominieren, während offenere Varianten (Reformulierungen und Umformulierungen) in den höheren Jahrgangsstufen überwiegen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Die Rolle des sprachlichen Inputs im schulischen Spracherwerb. In: Der Deutschunterricht. H. 5. S. 58–68. ISSN: 0340-2258.
Kleinschmidt-Schinke, Katrin
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Sprache der Lehrer/-innen – Sprache der Schüler/-innen. In: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung/Union der deutschen Akademien der Wissenschaften (Hrsg.): Die Sprache in den Schulen – Eine Sprache im Werden. Dritter Bericht zur Lage der deutschen Sprache. Bearb. v. Ursula Bredel und Helmuth Feilke. Berlin: Erich Schmidt. S. 63–90. ISBN: 978-3-503-20502-8.
Kleinschmidt-Schinke, Katrin
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Sprachliche Komplexität im medial mündlichen Unterrichtsdiskurs. In: Der Deutschunterricht. H. 1/2021. S. 44–53. ISSN: 0340-2258.
Kleinschmidt-Schinke, Katrin
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Wie Sprache Bildung macht und wie Bildung Sprache macht. Einblicke in den Unterrichtsdiskurs. In: Struger, Jürgen (Hrsg.): Sprache – Macht – Bildung. Berlin: Frank & Timme. S. 37–62. ISBN: 978-3-7329-0962-9.
Pohl, Thorsten
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Perspektiven bei der Erforschung authentischer Unterrichtskommunikation. Möglichkeiten – Grenzen – Schwerpunkte. Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes, 71(1), 8-28.
Pohl, Thorsten & Kleinschmidt-Schinke, Katrin
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Syntaktische Komplexität im Unterrichtsdiskurs: Nominalphrasen im Jahrgangsstufenvergleich. Sprachsensibilität in Bildungsprozessen, 71-95. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Goschler, Juliana & Kleinschmidt-Schinke, Katrin
