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Politische Prädiktoren von Umfragefehlern

Antragsteller Professor Dr. Peter Selb
Fachliche Zuordnung Politikwissenschaft
Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 426500462
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Ziel dieses Forschungsprojekts war es, ein kontextuelles Verständnis von Umfragefehlern und ihren Auslösern zu entwickeln. Im Gegensatz zu den meisten früheren Studien haben wir eine vergleichende Perspektive über mehrere Wahlen hinweg eingenommen und den theoretischen Schwerpunkt auf die Merkmale des Wahlkampfs gelegt, von denen angenommen wird, dass sie Umfragefehler begünstigen. Zu diesem Zweck haben wir den Bayesianischen Ansatz von Shirani-Mehr et al. (2018) zur Dekomposition von Verzerrungen und Varianz in Wahlumfragen für Mehrparteiensysteme erweitert. Außerdem haben wir die zeitliche Flexibilität des Modells erhöht, um besser zwischen Umfragefehlern und Bewegungen in der öffentlichen Meinung im Verlauf der Kampagne unterscheiden zu können. Das Modell und seine Erweiterungen helfen dabei, die Genauigkeit von Wahlumfragen realistisch einzuschätzen. Schließlich ermöglichte uns die Einbeziehung von wahlspezifischen Kovariaten, Behauptungen über Kontexteffekte auf die Genauigkeit von Umfragen systematisch zu testen. Wir haben aus der Literatur Theorien zu Umfragefehlern zusammengetragen und sie im Rahmen des Total-Survey-Error-Paradigmas ausgearbeitet. Zur Operationalisierung von Wahlmerkmalen stützten wir uns auf eine Vielzahl von Datenquellen und aktuelle Entwicklungen in der Analyse unstrukturierter Daten, einschließlich offizieller Daten über die wahlberechtigte Bevölkerung und die Wahlbeteiligung, Daten über Wahlkampfausgaben, Wikipedia-Einträge, Vorhersagen von Namens- und Gesichtserkennungs- und Idealpunktmodellen. Unsere Analyse von mehr als 15.000 Wahlumfragen aus Deutschland und den USA widerlegt viele gängige Weisheiten über Umfragefehler. Eine inhärente Schwierigkeit bei der Bestimmung der Ursachen von Umfragefehlern besteht allerdings darin, dass Meinungsforscher ihre Methoden als Reaktion auf Misserfolge ständig anpassen. Einige Beobachter in Wissenschaft und Industrie sind daher skeptisch und vermuten, dass Umfragefehler im Grunde unvorhersehbar sind. Um künftige Forschung zu erleichtern, haben wir ein R-Paket entwickelt, das Umfrageergebnisse und zusätzliche Informationen aus der Wikipedia und anderen Quellen sammelt. Bis jetzt haben wir über 74.000 Vorwahlbefragungen zu 2.400 Wahlen in 60 Ländern von 1979 bis heute erfasst.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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