Werte und ökonomische Leistung: ein formales agentenbasiertes Modell
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Im Gegensatz zu anderen Sozialwissenschaften spielt das Konzept der individuellen Werte in der Volkswirtschaftslehre bisher keine große Rolle. Eine umfangreiche empirische Literatur zeigt aber die Bedeutung von Werten für menschliches Verhalten, so dass die volkswirtschaftliche Theorie in dieser Hinsicht erweitert werden sollte. Werte sind Teil der Kultur einer Gruppe oder Gesellschaft. Die Bedeutung von Kultur für ökonomische Zusammenhänge wurde in den letzten Jahren in der Volkswirtschaftslehre empirisch untersucht. Es fehlt derzeit aber eine wertebasierte ökonomische Verhaltenstheorie. Das Ziel des Forschungsprojekts war, eine solche Theorie zu entwickeln und beispielhaft in agentenbasierten Computersimulatonsmodellen für konkrete Fragen umzusetzen. Dazu wurden im Projekt bisher vier verschiedene Modelle entwickelt. Die ersten beiden Modelle untersuchen die Entscheidungen von Arbeitnehmern in einem Unternehmen. Während das erste Modell ein relativ einfaches Grundmodell darstellt, ist das enthält das zweite Modelle komplexe Interaktionen zwischen dem Management und den Entscheidungen der Arbeitnehmern und ein endogenes Kommunikationsnetzwerk zwischen Beschäftigten. Die zentrale Frage ist, wie die sich endogen entwickelnde Unternehmenskultur mit den durch das Management gesetzten Rahmenbedingungen (Institutionen) interagiert. Die entscheidende Annahme der Modelle ist, dass die Beschäftigten in vier Typen kategorisiert werden können, je nach ihren wichtigsten persönlichen Werten gemäß der Theorie von Shalom Schwartz. Die Modelle zeigen, dass Versuche des Managements die Leistung des Unternehmens über herkömmliche Instrumente (leistungsabhängige Einkommenprämien und Kontrolle des Verhaltens) in vielen Fällen nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen, wenn die Unternehmenskultur nicht berücksichtigt wird. Diese theoretischen Ergebnisse bestätigen aktuelle empirische Forschungsergebnisse zur Unternehmenskultur. Im dritten Modell wird die Bildung eines Netzwerks zwischen Personen und dessen resultierende Eigenschaften auf der Basis von Werten der Individuen erklärt. Das Modell zeigt, dass wertebasierte Netzwerke stabiler sind also solche die unabhängig von den Werten der Beteiligten entstehen. Das theoretische Modell kann Daten aus es dem European Social Survey und einem Experiment zur Kooperation unter Studierenden, das an drei polnischen Universitäten durchgeführt wurde, erklären. Netzwerke zwischen Individuen spielen in vielen Kontexten eine Rolle, z.B. für die Kommunikation und Kooperation am Arbeitsplatz, in der privaten Interaktion oder bei der informellen Vermittlung von Beschäftigten am Arbeitsmarkt. Daher kann dieses Modell ein wichtiger Baustein für andere ökonomische Modelle mit Netzwerken sein. Im letzten innerhalb der Projektlauzeit erarbeiteten Modell wird eine gesamtwirtschaftliche Perspektive eingenommen. Der Netzwerkgedanke wird aufgenommen, um die informelle Vermittlung von Arbeitsuchenden auf freie Stellen zu modellieren. Dies ist ein empirisch relevanter Mechanismus, da viele Stellen tatsächlich über Empfehlungen von Mitarbeitenden und Kontakte in deren privaten Netzwerken zustande kommen und diese Art der der Arbeitsvermittlung Vorteile zu haben scheint. Das erstellte Modell bildet diesen Mechanismus auf der Grundlage eines wertebasierten Netzwerkes der Beschäftigungen ab und untersucht, wie die Effizienz des Arbeitsmarktes und damit die gesamtwirtschaftliche Produktivität von den Modellparametern abhängt. Dabei sind vor allem die Verteilung der Wertetypen und die Determinanten der Netzwerkbildung von Bedeutung.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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A value-based model of job performance. PLOS ONE, 17(1), e0262430.
Roos, Michael; Reale, Jessica & Banning, Frederik
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The complexity of corporate culture as a potential source of firm profit differentials.
Banning, F., Reale, J. & Roos, M.
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How Schwartz Values Influence Social Networks in the Workplace. Springer Proceedings in Complexity, 483-493. Springer Nature Switzerland.
Banning, Frederik; Czupryna, Marcin & Kamiński, Bogumił
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Unemployment benefits and job quality: unveiling the complexities of labour market dynamics.
Reale, J., Banning, F. & Roos, M.
