Longitudinal Prediction of Mental Health and Life Quality of Young Adults and Long-term Efficacy of a Universal Prevention Program
Final Report Abstract
Die Längsschnittstudie zur Vorhersage von psychischer Gesundheit und Lebensqualität junger Erwachsener und zur langfristigen Wirksamkeit einer universellen Präventionsmaßnahme (Zukunft Familie IV) stellt einen wichtigen Beitrag zum Forschungsbereich der Prävention psychischer Erkrankungen vom Kindes- bis ins junge Erwachsenenalter dar. Insgesamt nahmen N = 316 Familien an der erneuten Erhebung teil. Die Retentionsrate der Stichproben der beiden Ursprungsprojekte betrug 18 Jahre nach der ersten Erhebung (2001/02) 80 % (ZF-I) bzw. 48 % (ZF-II) und ist damit vergleichsweise hoch. Lediglich 5 % (ZF-I) bzw. 4 % (ZF-II) der Familien lehnten die erneute Teilnahme aktiv ab, nachdem ein persönlicher Kontakt zustande gekommen war und das obwohl der Großteil der Erhebungen aufgrund der COVID-19-Pandemie, anders als ursprünglich geplant, nicht persönlich, sondern telefonisch stattfand. Dies spricht für die gute Stichprobenpflege über den Verlauf der 18 Jahre. Im jungen Erwachsenenalter war die Prävalenzrate psychischer Erkrankungen mit 35 % vergleichbar mit den Ergebnissen des Deutschen Gesundheitssurveys (DEGS1). In der Einschätzung der Mütter zeigte sich vom Jugend- zum jungen Erwachsenenalter eine Abnahme kindlicher Verhaltensauffälligkeiten, wohingegen sich in der Selbsteinschätzung der jungen Erwachsenen eine Zunahme zeigte. Die Übereinstimmung zwischen mütterlicher und Selbsteinschätzung hebt die Bedeutung unterschiedlicher Urteilsquellen im Rahmen wissenschaftlicher Studien hervor. In Bezug auf Substanzkonsum sind die gefundenen Prävalenzraten für Alkohol und Nikotin vergleichbar zur aktuellen Drogenaffinitätsstudie der BZgA. Beim Cannabiskonsum lag die 12-Monats-Prävalenz mit 35 % deutlich höher als erwartet. Die Lebenszeitprävalenz für pharmakologisches Neuroenhancement lag bei 7 %, für sexuelles Risikoverhalten bei 73 % und für problematischen Internetgebrauch ebenfalls überraschend hoch bei 19 %. Betrachtete Risiko- und Schutzfaktoren umfassen u.a. das Geschlecht der jungen Erwachsenen, psychische Erkrankungen der Mütter, den Migrationshintergrund und sozioökonomischen Status der Familien, außerfamiliäre frühkindliche Betreuung, kindliche Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter sowie Substanzkonsum im Jugendalter. Bei der Überprüfung der langfristigen Wirksamkeit des Triple P-Programms über 18 Jahre wurden, wie bereits beim 10-Jahres Follow-up (ZF-III), zusätzlich zur Intention to Treat-Auswertung die folgenden drei Gruppen analysiert, um die „reinen“ Triple P-Interventionseffekte zu bestimmen: Triple P Annehmer (TP+, n=180), Triple P Ablehner (TP-, n=28) und Kontrollgruppe (KG, n=65). Im Vergleich zur KG ergaben sich für die Gruppe TP+ geringe bis mittlere Inter-Gruppen-Effektstärken (ES) für kindliche internale (.46) und externale Auffälligkeiten (.53) sowie die mütterliche Partnerschafts-zufriedenheit (-.22). Vergleichbare ES zeigten sich zur Gruppe TP-. Die Werte für die Gruppe TP+ verschlechterten sich über die Zeit nicht so stark wie die Werte der KG und der Gruppe TP-. Von den Eltern wiesen über den Studienverlauf von 18 Jahren jeweils 2 % der Mütter und 4 % der Väter chronische Depressions- und Angstsymptome auf. Insgesamt 25 % der Eltern hatten einen stabil positiven Beziehungsverlauf, 23 % hatten mindestens eine Krise erfolgreich bewältigt, 4 % waren unzufrieden mit ihrer Beziehung und 40 % hatten sich getrennt. Signifikante Unterschiede zwischen den Verlaufsgruppen zeigten sich u.a. hinsichtlich der elterlichen sexuellen Zufriedenheit, ihrer psychischen Gesundheit, aktuellen Partnerschafts- und allgemeinen Lebenszufriedenheit. Die Ergebnisse dieser Längsschnittstudie liefern verschiedene Ansatzpunkte für die Praxis und Forschung im Bereich der Prävention psychischer Erkrankungen sowie zusammenhängender Faktoren.
Publications
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Dyadic associations and prediction of maternal and paternal sexual satisfaction in couples–Findings from an 18-year longitudinal study. International Journal of Clinical and Health Psychology, 24(2), 100466.
Supke, Max; Baucom, Donald H.; Job, Ann-Katrin; Schulz, Wolfgang & Hahlweg, Kurt
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Schulz, Wolfgang; Wolter, Emilie & Job, Ann-Katrin
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Prevalence, persistence, and course of symptoms of depression, anxiety, and stress of mothers and fathers. Results of an 18-year longitudinal study. Journal of Affective Disorders, 344, 301-310.
Schulz, Wolfgang; Hahlweg, Kurt; Job, Ann-Katrin & Supke, Max
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Risk Factor “Mentally Ill Mother”: Transgenerational Transmission of Mental Disorders in Children until Emerging Adulthood. Psychology, 15(02), 215-246.
Debener, Aline; J., Rother Eddy & Job, Ann-Katrin
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Sexuelle Inaktivität und sexuelle Unzufriedenheit bei Paaren in der mittleren Lebensphase nach im Mittel 31 Jahren Beziehungsdauer. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 53(1), 24-34.
Job, Ann-Katrin; Hahlweg, Kurt; Schulz, Wolfgang & Supke, Max
