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Asyut - ein antikes Handelszentrum

Fachliche Zuordnung Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 426702318
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die auf Initiative der Freien Universität Berlin, der Polnischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Sohag und des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer durchgeführten Feldforschungen und Objektstudien auf dem Gebel Asyut al-gharbi (2022- 2023), im Antikenmagazin von Shutb (2021-2023) und an der Freien Universität Berlin (2020-2023) erbrachten zahlreiche Hinweise darauf, dass Asyut Teil eines überregionalen, ja internationalen Netzwerks war. Insbesondere die Importe, die Asyut in der Spätantike erreichten, sind quantitativ und qualitativ herausragend und vor allem durch Keramikfunde greifbar. Asyut selbst produzierte den Quellen zufolge in Antike und Spätantike vor allem Getreide und Textilien. Aufgrund ihrer verkehrsgeographisch und strategisch herausragenden Lage, einerseits südlich des Gebel Abu el-Feda, wo die Nilpassage aufgrund der vielen Krümmungen und der Strömung des Flusses gefährlich ist, und andererseits am Eingang (und Ausgang) der Wüstenroute Darb al-Arbain (Straße der vierzig Tage), fungierte die Stadt auch als Verkehrsknotenpunkt. Die aktuellen Funde machen deutlich, dass es spätestens ab den letzten Jahrhunderten des ersten Jahrtausends v. Chr. in Asyut einen organisierten überregionalen, sogar internationalen Warenaustausch gab. Darauf deuten vor allem die Funde aus dem Hundegrab hin: Keramik aus den Oasen der Westwüste sowie aus der Ägäis und aus Kilikien. Die Ergebnisse der Untersuchung der entsprechenden Gefäßinhalte und Pflanzenmaterialien stehen noch aus und werden für Sommer 2024 erwartet. In der Spätantike nahmen die Importe aus verschiedenen Gebieten des Mittelmeers (Tunesien, Libyen, Italien, Ägäische Inseln, Türkei, Levante) zu, so dass Asyut als Handelszentrum für diese Zeit bezeichnet werden kann. Für die Zeit vor der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. gibt es keine entsprechenden Belege. Zwar gibt es Belege für innerägyptische Importe, Kontakte mit fremden Soldaten und die Übernahme von Ideen aus anderen Kulturkreisen bis etwa zu dieser Zeit, eine Interpretation als Handel muss aber in jedem Einzelfall geprüft werden und ist oft nicht gegeben oder nicht belegbar. Dies mag an der unterschiedlichen Quellenlage für Antike und Spätantike liegen: Die pharaonische Stadt ist für die moderne Archäologie unzugänglich, weil sie dicht mit modernen Häusern überbaut ist und damit ein Einblick in die antike Siedlung verwehrt bleibt; für die Spätantike hingegen sind auf dem Gebel Asyut al-gharbi Siedlungen oder Siedlungsreste in Form von Klosteranlagen und Eremitenwohnungen archäologisch zugänglich. Dies mag aber auch daran liegen, dass in der Pharaonenzeit der Warenaustausch bis zu einem gewissen Grad staatlich organisiert erfolgte. Des weiteren können Soldaten als treibende Kraft im Warenaustausch festgemacht werden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Die Torpassagen des Zweiwegebuchs in Assiut, in: Jochem Kahl & Andrea Kilian (eds), Asyut - The Capital That Never Was. The Asyut Project 18, Wiesbaden 2022 (Harrassowitz; ISBN: 978-3- 447-11909-2), pp. 145-153
    Jochem Kahl & John Moussa Iskander
  • Fragmente reliefierter lotusförmiger Fayencekelche aus Assiut, in: Jochem Kahl & Andrea Kilian (eds), Asyut - The Capital That Never Was. The Asyut Project 18, Wiesbaden 2022 (Harrassowitz; ISBN: 978-3-447- 11909-2), pp. 291-302
    Ana Sofia de Carvalho Gomes
  • The Desert Route of Darb el-Arba'in at Asyut, in: Jochem Kahl & Andrea Kilian (eds), Asyut - The Capital That Never Was. The Asyut Project 18, Wiesbaden 2022 (Harrassowitz; ISBN: 978-3-447-11909-2), pp. 37-57
    Mohamed Osman & Jochem Kahl
  • The Asyut Project: Sixteenth Season of Fieldwork (2022), in: Studien zur Altägyptischen Kultur 52, 2023 (Buske; ISBN: 978-3- 96769-375-1), pp. 127-163
    Jochem Kahl, Mohamed Abdelrahiem, Anna Arpaia, Andrea Kilian, Chiori Kitagawa, Jan Moje & Philipp Scharfenberger
 
 

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