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Das Handelsverhalten von Privatinvestoren in Boom und Bust Märkten

Fachliche Zuordnung Accounting und Finance
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 427318789
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersucht zentrale Aspekte des Anlegerverhaltens über die Marktphasen von Aufschwung und Abschwung. Es beleuchtet, wie Investoren ihre Entscheidungen ändern, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen von Boom- zu Abschwungphasen umstellen, und welche Rolle dabei psychologische Faktoren (Verhaltensverzerrungen) spielen. Papier 1 befasst sich mit dem Dispositionseffekt – der Tendenz von Anlegern, Gewinne eher zu realisieren als Verluste zu begrenzen. Während frühere Untersuchungen vorwiegend Boomphasen betrachteten, analysiert unsere Studie die individuellen Handelsdaten deutscher Investoren über mehrere Marktzyklen (2001–2015). Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Dispositionseffekt in Abschwungphasen deutlich stärker ausgeprägt ist. Konkret realisieren Anleger in Krisenzeiten etwa 26 % häufiger Gewinne, was auf veränderte Risikoeinstellungen und Anpassungen in ihren Überzeugungen hindeutet. In Papier 2 erweitern wir den Blickwinkel, indem wir die Annahme rationaler Erwartungen hinterfragen und den Einfluss systematischer Verzerrungen in den Markterwartungen der Investoren untersuchen. Die experimentelle Evidenz zeigt, dass sich die Risikobereitschaft der Anleger in unterschiedlichen Marktphasen asymmetrisch anpasst. In Boomphasen erfolgen die Erwartungen behutsamer, während in Abschwungphasen eine schnellere Anpassung an negative Marktimpulse zu beobachten ist. Diese Erkenntnisse liefern wichtige Ansatzpunkte für moderne Asset-Pricing-Modelle und verdeutlichen, wie subjektive Wahrnehmungen und Erwartungen die Dynamik der Risikobereitschaft beeinflussen. In Papier 3 widmen wir uns dem Verhalten von Privatanlegern im Umgang mit Dividendenzahlungen. Entgegen der traditionellen Annahme, dass Haushalte Dividenden eher konsumieren als reinvestieren, belegen unsere Daten einer deutschen Bank, dass bei institutionellen Kunden rund 80 % der Dividenden wieder angelegt werden – lediglich 12 % fließen in den Konsum. Auffällig ist, dass zwischen dem Erhalt der Dividenden und deren Reinvestition oft ein zeitlicher Abstand besteht, da die Beträge zunächst als Guthaben auf den Konten geparkt werden. Wir untersuchen dabei verschiedene Auszahlungsmodalitäten, wie Einzahlungen auf Brokerage- oder Girokonten im Vergleich zur Auszahlung per Scheck, und zeigen, dass technische Anpassungen – etwa die verstärkte Überweisung auf Brokerage-Konten – einen wesentlichen Einfluss auf die Investitionsentscheidungen haben. Zusammenfassend liefert das Projekt wertvolle Einblicke in das Zusammenspiel von Wirtschaftsphasen, Risikoeinstellungen und Anlageentscheidungen. Unser Thema ist relevant, weil wir dazu beitragen, zu verstehen, wie zugrunde liegende makroökonomische Schocks das Anlegerverhalten und ihre Risikobereitschaft beeinflussen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind sowohl für die wissenschaftliche Diskussion als auch für die praktische Gestaltung von Finanzprodukten und die Beratung von Anlegern von Bedeutung.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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