Detailseite
Dogtown and X-Games. Körper, Räume, Zeichen - zur wirklichen Geschichte des Skateboardfahrens
Antragsteller
Eckehart Velten Schäfer
Fachliche Zuordnung
Empirische Sozialforschung
Förderung
Förderung von 2019 bis 2021
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 427495674
Die Arbeit versucht, eine knappe, zugängliche Kulturgeschichte einer sozialen und kulturellen Praktik zu schreiben, anhand derer sich viel ablesen lässt über die Veränderungen und Verschiebungen, die sich ab etwa 1.970 im Feld des Sporttreibens ergeben.Dies ist eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden (jüngst rasch anwachsenden) Literatur zum Thema. Denn diese zumeist auf jeweils Feldforschungen und Interviews basierenden Arbeiten gelangen nur zu Momentaufnahmen einer sportiven Praktik, die mittlerweile auf sechs Jahrzehnte sehr bewegter Geschichte zurückblickt. Die Rekonstruktion eines historischen Rahmens machte klar, dass diese schon in ihrer Anlage „präsentistische" Literatur dazu neigt, recht spezielle Punkte innerhalb dieser Geschichte zu verabsolutieren, wodurch ein verzerrtes Bild entsteht. Herausgearbeitet wurde, dass sich die Geschichte der Praktik zwischen dem Auftauchen der ersten Bretter in den späteren 1950ern bis zu ihrem 2016 verkündeten Einbezug in das Programm der Olympischen Sommerspiele dreimal grundlegend wandelt —sowohl bezüglich der typischerweise vollführten Bewegungen, als auch der genutzten Terrains sowie der Deutungen und Zuschreibungen, die dieses Tun widerspiegeln und mitprägen.Aus dem Kinderspiel von 1960 wird nach 1970 eine zunächst recht herkömmliche Sportart. Erst in den ausgehenden 1970er Jahren verwandelt sich diese in jene Subkultur, die man bis heute landläufig mit Skateboards verbindet. Die „Versportlichung", der diese Subkultur bereits ab etwa 1985 unterlieft, mündet indes noch nicht bruchlos in jene Annäherung an den organisierten Sport, in der sich nach 2000 die nun vollzogene Olympisch-Werdung vorbereitet. Die Entwicklung wird vielmehr um 1990 durch eine weitere Transformation der körperlich-räumlichen Vollzüge sowie der Repräsentation der Praktik unterbrochen, die zunächst zu einer zweiten „Subkulturalisierung" führt.Die Pendelbewegung zwischen Pop- und Sportkultur, die sich anhand von Skateboarding stellvertretend für die im Verlauf der 1980er aufkommende Familie sogenannter Trend- oder Actionsportarten aufzeigen lässt, wird mittels eines Instrumentariums rekonstruiert, das auf rezente methodische und theoretische Entwicklungen der qualitativen (Kultur-)Soziologie zurückgreift. Körper- und raumsoziologische Optiken, die in jüngerer Zeit prominenter geworden sind, werden insbesondere mit den Debatten um den „practice turn" verbunden. Indem beispielsweise Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung von Skateboard-Körpertechniken sind der Videotechnik systematisch in den Blick rücken, werden Aspekte der Materialität sozialen Wandels fokussiert. Obgleich die Arbeit ausdrücklich nicht auf theoretische und methodologische Erwägungen abzielte, sondern sich auf die Darstellung ihres Gegenstands konzentrierte., ergeben sich – kollateral - auch einige Folgerungen, die jene Theorie- und Methodendiskussionen betreffen.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
