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Ökologische Implikationen für die großen Herbivoren während der späten Quartären Klimaveränderungen im Refugium des Nordostens der Iberischen Halbinsel

Fachliche Zuordnung Paläontologie
Ökologie und Biodiversität der Tiere und Ökosysteme, Organismische Interaktionen
Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 427557110
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Iberische Halbinsel war eines der südlichsten Refugien in Europa, in dem terrestrische Ökosysteme während des späten Quartärs überleben konnten. Trotz der klimatischen Instabilität während MIS-3 (ca. 60 bis 28 kyrs cal BP oder ka) und MIS-2 (ca. 28 bis 15 ka) zeigen archäologische Nachweise eine kontinuierliche menschliche Besiedlung des Nordostens der Iberischen Halbinsel, mit Rothirsch (Cervus elaphus) und Pferd (Equus ferus) als wichtigste tierische Ressourcen. Wir wollten daher zwei Szenarien untersuchen, die das Überleben dieser beiden Beutetiere in der Region erklären: War es ihre ökologische Flexibilität, die es ihnen ermöglichte, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen, oder waren die lokalen klimatischen Gegebenheiten eingermaßen stabil? Die Serinyà-Höhlen (Arbreda, Reclau Viver, Bora Gran) bieten mit ihrer Stratigrafie, welche von 45 bis 15 ka reicht und das letzte glaziale Maximum (LGM) abdeckt, ideale Forschungsbedingungen. Die Analyse der Zähne (Meso- und Microwear) zeigte, dass sich die Ernährung zwischen Pferden und Rothirschen in den letzten Jahren/Monaten bzw. Wochen/Tagen ihres Lebens deutlich unterschieden waren. Während die Pferde konstante Grasfresser waren, ernährten sich die Rothirsche gemischt von Gräsern und Blättern, je nach archäologischer Schicht. Isotopenmessungen des Knochenkollagens (d13C und d 15N), die die Nahrungsquellen in den letzten Lebensjahren widerspiegeln, zeigten ebenfalls Unterschiede mit höheren d13C-Werten bei Rothirschen als bei Pferden, was wahrscheinlich mit dem trockeneren Lebensraum zusammenhängt. Intraindividuelle Messungen entlang der Krone des dritten Backenzahns wurden durchgeführt, um Veränderungen der Temperatur und/oder Feuchtigkeit (d18O) zusammen mit den Ernährungsbedingungen (d13C) zu erfassen. Beim Pferd zeigten sie keine Variationen der d13C Werte, trotz deutlicher saisonaler d18O Veränderungen. Die Zähne des Rothirsches lieferten wiederum höhere d13C Werte, wobei der Aufwärtstrend parallel zu den abnehmenden Werten von d18O verlief, was auf den Zugang zu Pflanzen mit hohem 13C-Gehalt während des Winters in einer trockenen Umgebung hindeutet. Der Isotopenunterschied zwischen Rothirsch und Pferd fand sich auch in den Pyrenäen (Montlleó, ca. 19,9 bis 17,3 ka), wo das Pferd wiederum eine kleine ökologische Nische in Verbindung mit feuchteren Tälern zu haben schien. Die hohe Variabilität von Isotopen und Zahnabrieb des Rothirsches an mehreren post-LGM-Standorten bestätigt seine hohe ökologische Flexibilität. Während die Anpassung des Rothirsches an unterschiedliche Bedingungen unser erstes Szenario bestätigt, zeigt das Fortbestehen einer grasdominierten Ernährung der Pferde unter feuchten Bedingungen, dass eine große Vielfalt an Lebensräumen die Auswirkungen klimatischer Bedingungen abfedern konnte. Insgesamt bieten die unterschiedlichen Ergebnisse von Rothirschen und Pferden einen differenzierteren Blick auf die Funktion der nordöstlichen Halbinsel als Rückzugsgebiet.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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