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Sinn und Sinnlichkeit der Vorstellungskraft: Musikhören im England der Frühaufklärung

Antragstellerin Dr. Ina Knoth
Fachliche Zuordnung Musikwissenschaften
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 427833835
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Musik aller Art in Theaterhäusern, Wirts- und Kaffeehäusern, Ballsälen, Lustgärten und diversen weiteren Räumlichkeiten – die Musikkultur Englands und insbesondere Londons zwischen der Restauration 1660 und der Mitte des 18. Jahrhunderts war im europäischen Vergleich außergewöhnlich vielfältig. Innerhalb von weniger als einhundert Jahren entwickelten sich diverse neue, gegen Eintrittsgeld zugängliche Unterhaltungsangebote mit Musik, die das Kulturleben sukzessive vom Hof als kulturellem Zentrum ablösten. Es bildete sich eine neue ‚Öffentlichkeit‘ (‚public‘) für Musik heraus. Diese zeichnet sich durch die zunehmende mediale Sichtbarkeit einer steigenden Zahl von Personen aus, die für die Meinungsaushandlungen zu den unterschiedlichen Musikangeboten relevant wurden. Gleichzeitig brachten die öffentlichen Angebote ihrerseits ganz neue Rahmenbedingungen des Musikhörens mit sich. Der Zeitraum zwischen Restauration und der Mitte des 18. Jahrhunderts erweist sich für das Musikhören derjenigen musikalisch nicht-professionellen Personen, die manche bis alle dieser neuen Angebote nutzten, als eine Transformationszeit, in der sich unterschiedliche Publikumsgruppen neu konstituierten. Das vorliegende Projekt hat erstmals ein übergreifendes, kulturhistorisch spezifisches Panorama des Musikhörens der musikalisch nicht-professionellen Musikhörer und Musikhörerinnen im öffentlichen Kulturleben Englands dieser Zeit anhand von bildungs-, musik- und allgemein künstebezogenen Medien sowie einer Vielzahl bisher unveröffentlichter Selbstzeugnisse (v.a. Briefe und Tagebücher) herausgearbeitet. Die Analyse der Wechselwirkungen zwischen (1) musikalisch professionellen Aufführungen, (2) rezeptiven Reflexionen von Sinnlichkeit bis hin zur Symbolkraft klingender Musik und (3) der Pflege nicht-professioneller Musikausübung zeigten erhebliche Unterschiede abhängig davon, ob das Musikhören vorwiegend vom eigenen, körperlich aktiven Musizieren oder von einem körperlich distanzierten Standpunkt ausgehend beschrieben wurde. Die unterschiedlichen Arten, über Musikhören zu sprechen und zu schreiben, habe ich in diesem Projekt abhängig vom gesellschaftlichen Wandel und seinen Auswirkungen auf Bildungsstrukturen und -inhalte sowie Angeboten des Musikkonsums erfasst. Insgesamt entwickelte sich in der Zeit zwischen Restauration und Mitte des 18. Jahrhunderts in England ein kulturelles Musikhörverständnis, das den Musikhörern und Musikhörerinnen ohne musikalisch professionelle Ausbildung einen von der konkreten Erzeugung von Musik zunehmend getrennten Platz zuwies. Die entsprechende Transformation der Praktik des Musikhörens wurde dabei entscheidend durch eine (ihrerseits wandlungsfähige) Konstante geprägt: Die Denkfigur der Vorstellungskraft war auf vielen Ebenen (und in sehr unterschiedlichen Ausprägungen) zentral, um Prozesse der sinnlichen, rationalen und assoziativen Künstewahrnehmung darzustellen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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