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Insel im Netz - Kubas Digitale Kultur und ihre sozialen Aushandlungen nach dem Ende der Ära Castro.

Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 428086777
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt "Island in the Net" hat untersucht, wie der zunehmende Zugang der kubanischen Bevölkerung zu digitalen Technologien und zum Internet die Machtdynamik zwischen den Bürger*innen und der Regierung grundlegend verändert hat. Diese Verschiebung, die eine größere Autonomie von staatlichen Strukturen ermöglicht, markiert einen bedeutenden Wandel in der kubanischen Gesellschaft. In der Vergangenheit hat der kubanische Staat den Internetzugang eingeschränkt, um die Informations- und Meinungsfreiheit zu kontrollieren, so dass Kuba bis vor einigen Jahren eines der am wenigsten vernetzten Länder der Welt war. Trotz anhaltender Probleme wie langsamer Geschwindigkeiten, hoher Kosten und unzureichender Infrastruktur haben sich die kubanischen Bürger*innen auf kreative Weise angepasst. Sie haben umfangreiche vernakuläre Infrastrukturen geschaffen, wie z. B. kommunale Computernetzwerke und "Sneakernets", bei denen Informationen physisch über tragbare Festplatten und USB- Speichersticks übertragen werden. Darüber hinaus haben die Kubaner*innen ihren allmählich wachsenden Internetzugang dazu genutzt um in einer krisengeschüttelten Wirtschaft florierende digitale Schwarzmärkte sowie neue Räume für politische Debatten geschaffen. Dieses Projekt untersuchte diese laufenden Veränderungen und zeigte auf, wie die Bürger*innen digitale Technologien nutzen, um alternative soziale Infrastrukturen zu schaffen, knappe Konsumgüter und Devisen auf digitalen Schwarzmärkten zu handeln und die öffentliche Debatte zu fördern. Basierend auf teilnehmender Beobachtung und Interviews mit verschiedenen Schlüsselfiguren in Kubas aufstrebender digitaler Kultur - darunter Neulinge im Netz, Verbindungsbroker in öffentlichen Wi-Fi-Parks, Administrator*innen und Nutzer*innen von technologischen Graswurzeinfrastrukturen, Persönlichkeiten aus den sozialen Medien, und Softwareentwickler*innen - bietet die Studie einen umfassenden Blick auf die sich entwickelnde digitale Landschaft in Kuba. Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zur interdisziplinären Literatur über die sozialen Auswirkungen von digitaler Technologie und greifen den „infrastructural turn“ in den Sozialwissenschaften auf, um neue Einblicke in die Art und Weise zu geben, wie alternative Infrastrukturen, zu einem Raum für politische Auseinandersetzungen werden können. Diese Fallstudie erweitert unser Verständnis für die komplexen Auswirkungen des Internets auf die Beziehungen zwischen Bürger*innen und Staat in autoritären Verhältnissen. Es fördert ein differenziertes Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen vernetzter Technologien für die Bürger*innen autokratischer Staaten. Eine wichtige konzeptionelle und methodische Neuerung dieses Projekts ist die Produktion mehrerer multimodaler Projekte - ein edukatives Videospiel, zwei interaktive Installationen, eine site-specific Videoinstallation, ein ethnografischer Dokumentarfilm und eine Expanded Cinema Installation -, die in Zusammenarbeit mit den Forschungsteilnehmer*innen entstanden sind. Diese Arbeiten laden das Publikum in die komplexen Medienwelten der Teilnehmer*innen ein und wurden auf Kunstbiennalen, Museumsausstellungen, Filmfestivals sowie auf Konferenzen zur digitalen Gesellschaft präsentiert.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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