Finance, law and the language of governmental practice in late medieval towns: Aberdeen and Augsburg in comparison
Final Report Abstract
Das von Jörg Rogge (Mainz) und Jackson Armstrong (Aberdeen) organisierte Projekt wurde durch eine gemeinsame Forschungsförderung des Art and Humanities Research Council (AHRC) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Außer den beiden Projektleitern arbeiten William Hepburn (Aberdeen), Regina Schäfer (Mainz) und Wim Peters (Aberdeen/Mainz) in dem Projekt. Ausgangspunkt waren die vorhandenen digitalen Editionen der Stadtrechnungen/Baumeisterbücher von Augsburg (1320-1466/70) (www.augsburger-baumeisterbuecher.de) und der Ratsregister von Aberdeen (1398-1511) (www.aberdeenregisters.org). Das geförderte Projekt baute auf den digital vorliegenden Quelleneditionen auf und hatte drei Ziele: 1. Das Austesten unterschiedlicher Tools zur Analyse von vormodernen Quellen, 2. Möglichkeiten und Grenzen des Vergleichs digitalisierter Quelleneditionen auszuloten und 3. der Frage nachzugehen, ob es eine spezielle „Sprache der Verwaltung“ in den beiden Städten gab, die sich unbeeinflusst von einem direkten Kontakt zwischen den Städten entwickelt hatte. Getestet wurde – unseres Wissens erstmalig an nicht-literarischen Quellen der Vormoderne – eine Topics-Analyse und eine halbautomatische Recherche mit AntConc. Beide Tools erwiesen sich als sehr nützlich für unsere Fragestellung und bieten Potential für die Analyse vormoderner Texte. Die vorliegenden digitalen Quelleneditionen zu vergleichen, erwies sich zwar als technisch nicht ganz einfach, aufgrund der Uneinheitlich der Quellen und der Vielfältigkeit von Sprachformen bei uneinheitlicher Orthografie. Doch gelang es, die Probleme zu lösen, indem vom DH-Mitarbeiter Wim Peters ein Programm mit Python geschrieben wurde. Die Hypothese nach der Entwicklung von ähnlichen Verwaltungsformen und auch Sprachformen bei Städten, die keinen Kontakt hatten, ließ sich bestätigen. Am Augsburger Beispiel konnte weitere pragmalinguistische Modelle herangezogen und die Sprache der Verwaltung mit anderen Quellen, wie Chroniken (die in Aberdeen nicht überliefert sind,) verglichen werden. Hier ließ sich belegen, dass die Sprache der Verwaltung sich deutlich von der Urkundensprache unterschied und zugleich eigene Sprachgewohnheiten aufwies. Sie zeigte – mit einer Verzögerung – gesellschaftlichen Veränderungen, insbesondere die Entstehung einem modernen obrigkeitlichen Herrschaftsverständnis der Stadtverwaltung. Auffällig war auch, dass verschiedene Verwaltungsquellen (Rechnungsbücher, verschiedene Formate von Ratsbüchern, Notizen oder Beschlusssammlungen) in der sprachlichen Gestaltung unterschiedlich waren. Es ist folglich Vorsicht geboten, aus der oft nur bruchstückhaften Überlieferung Aussagen zu allgemeinen Verhaltensweisen der vormodernen Verwaltung zu machen. Auch diese Ergebnisse halten wir für weiterführend, auf andere Quellengruppen übertragbar und für andere Fragestellungen nutzbar.
