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Kontakt-induzierter Sprachwandel in Situationen des nicht-stabilen Bilinguismus—seine Grenzen und Modellierung: slavische (soziale) Dialekte in Albanien

Antragsteller Dr. Maxim Makartsev
Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 429823235
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt zielte darauf ab, die Auswirkungen von Sprachkontakt mit Methoden der quantitativen Linguistik, Soziolinguistik und Dialektologie im Fall der slavischen Varietäten, welche im Kontext des instabilen Bilingualismus unterschiedliche strukturelle Affinität zur dominanten Sprache (Albanisch) aufweisen, genauer zu untersuchen/modellieren. Drei dieser slavischen Varietäten gehören zum Balkansprachbund und stehen dem Albanischen strukturell näher. Zusätzlich wurden zwei štokavische Migrationsdialekte in Albanien untersucht, die nicht als Teil des Balkansprachbunds betrachtet werden. Der Fokus lag auf den kontaktinduzierten Merkmalen, die die erforschten Varietäten strukturell entweder dem Balkansprachbund oder spezifisch dem Albanischen annähern. Dabei wurde untersucht, inwiefern verschiedene soziolinguistische Parameter in den (sprachlichen) Biographien der Sprecher*innen sowie die ursprüngliche strukturelle Nähe der Varietäten zum Balkansprachbund die Kontaktphänomene beeinflussen. Dies ist die erste Studie zu slavischen Dialekten in Albanien und eine der wenigen Studien zu slavischen Dialekten überhaupt, die das vertikale Kontinuum betrachtet – von konservativeren zu innovativeren, kontaktgeprägten Gruppen. Der Kontakt mit dem Albanischen und anderen Balkansprachen führte zu quantitativen und qualitativen Veränderungen, die aufgrund soziolinguistischer Faktoren ungleich unter den Sprecher*innen verbreitet sind. Wo bereits vor dem Kontakt Variation existiert hatte, begünstigte dieser Strukturen mit höherer Affinität zum Balkansprachbund, z.B. die Verwendung des Subjunktivs anstelle des Infinitivs. Zusätzlich kam es zur Grammatikalisierung neuer Formen, die zuvor in diesen Varietäten nicht vorhanden waren: z.B. im Štokavischen die Futur-Markierung mit der fossilisierten Kopula und die artikelartige Verwendung der Demonstrativpronomen; im Balkanslavischen die Grammatikalisierung des progressiven Aspekts durch materielle und strukturelle Entlehnungen aus dem Albanischen. Das Hauptforschungsinstrument, das im Rahmen des Projekts erstellt wurde, ist das online Korpus der slavischen Dialekte in Albanien (~572.000 Wortformen). Dieses erfüllt zugleich sprachdokumentarische Funktionen, was besonders zentral ist, da einer der untersuchten Dialekte mittlerweile ausgestorben ist. Ein Teil der im Korpus enthaltenen Daten besteht aus Narrativen zur traditionellen Kultur sowie mündlichen Geschichte, die nicht nur für Forschende, sondern auch für die Mitglieder der Gemeinschaften, Sprachaktivist*innen sowie die breite Öffentlichkeit von Interesse sind. Ein weiteres Projektergebnis ist ein Datensatz zur Kausativmarkierung im Balkan- und südslavischen Raum, mit besonderem Fokus auf die Minderheitendialekte in Albanien. Zum ersten Mal werden damit quantitative Daten zu einem der am wenigsten erforschten Balkanismen diskutiert: den sogenannten labilen bzw. ambitransitiven Verben.

Link zum Abschlussbericht

https://doi.org/10.25592/uhhfdm.17813

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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