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i3/šamnum: Pflanzenöle und Tierfette in den frühen Stadtkulturen Syro-Mesopotamiens – Produktion, Distribution und Konsum

Fachliche Zuordnung Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 430210716
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Öle und Fette boten sich (statt Getreide, Viehzucht, Schilf und Holz, Metallen usw.) als überschaubare Komponente unter den Wirtschaftsbereichen im früh- und mittelbronzezeitlichen Mesopotamien an, anhand einer ausreichenden Dokumentation in archivalischen Keilschrift-texten Produktion, Distribution und Konsum und damit verbundene Praktiken zu rekonstruieren. Dass bisher kaum Studien zu Ölen und Fetten existierten, hatte den trügerischen Eindruck einer geringeren Relevanz vermittelt, und bald steckten wir mitten in einem der spannendsten Forschungsprojekte, das stets neue Erkenntnisse brachte. Wir, das waren Assyriologien von der LMU München (Walther Sallaberger, Paola Paoletti) mit einem Schwerpunkt auf der Frühen Bronzezeit (3. Jahrtausend v.Chr.), und von der EHESS Paris (Grégory Chambon, Manon Ramez bzw. Anne-Isabelle Langlois) für die Mittlere Bronzezeit (2000-1600 v.Chr.). Wir arbeiteten uns 2020 bis 2023 durch besonders ergiebige Archive für einzelne Themen und begannen mit Sesam, der wichtigsten Ölpflanze ab ihrer Einführung (et-wa 2280-2240 v.Chr.), von der Kultivation über das Pressen bis zum Gebrauch. Es folgten Olivenöl, Mandelöl, Butter, Schweineschmalz, Schaftalg, Fischöl, dann Duftöle und die Verwendungsweisen. Sobald eine einschlägige Textgruppe erschlossen war, wurden die spezifischen Ergebnisse und die Editionen ausgewählter Texte auf der gemeinsamen Datenbank i3MesopOil (doi: 10.5282/mesopoil) abgelegt, die Veronika Gacia (LMU) aufgebaut und betreut hat. Schon nach wenigen Monaten lagen Daten für projektinterne Diskussionen vor, die rasch neue Erkenntnisse brachten. Viele Ergebnisse bietet schon die digitale Datensammlung, andere unsere Aufsätze, aber das zentrale Werk wird unsere Monographie „Vegetable Oils and Animal Fats: Resources, Production and Uses in Early Mesopotamia” sein, die derzeit (12/2024) zu etwa 85 % fertiggestellt ist. Zentral ist dabei die Erkenntnis, dass Öle und Fette in erster Linie dem Einsalben der Haut dienten. Hautpflege, Wohlfühlen, Duft und medizinische Anwendung gehören hier eng zusammen, und mit der Einführung von Sesam wurde das Einölen eine weit verbreitete Praxis und entwickelte sich zu einem der Grundbedürfnisse im Frühen Mesopotamien. Nur Butter war ein kostbares Nahrungsmittel, während Schmalz, Talg oder Fischöl auch spezifischen technischen Gebrauchsweisen dienten. Unsere Monographie wird, so hoffen wir, auch von der Vorderasiatischen Archäologie rezipiert werden. Die archäologische Mitarbeit von Juliette Mas (EHESS, Paris) konnte nur ein Anfang sein. Die ORA-Analyse an Gefäßen aus einer Altgrabung erbrachte ein Signal von Koniferen, aufgrund der Textevidenz lag hier also ein Behälter für Duftöl vor.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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