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Unternehmensgeschichte und politische Ökonomie der betrieblichen Altersvorsorge in der Bundesrepublik Deutschland, 1948 bis 1982.

Fachliche Zuordnung Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 430286375
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt evaluiert: (1) die betriebliche Altersvorsorge anhand von sechs Gesetzgebungsprozessen sowie (2) die betriebliche Altersversorgung anhand von acht Unternehmensfallstudien in Jahren 1948 bis 1982. Teilprojekt 1 leistet einen Beitrag zur Forschung über den Einfluss organisierter Interessen auf politische Entscheidungen im Gesetzgebungsprozess. Es wurde belegt, dass neben Vertretern von Großunternehmen, Industrie und Gewerkschaften auch Wissenschaftler und Journalisten Einfluss auf politische Entscheidungen hatten. Ein weiterer wichtiger Beitrag liegt in der Erkenntnis, dass es, anders als von vielen politikwissenschaftlichen Studien angenommen, eben jene Wissenschaftler und Journalisten und nicht die Interessensvertretungen waren, die den Verbleib des Status quo und evidenzbasierte Reformen forderten. Die politischen Entscheidungsträger haben die beratende Kraft der Advokatenkoalitionen in erster Linie zur Rechtfertigung der eigenen Positionen genutzt. Daneben gelang es Advokatenkoalitionen nur selten, Vetospieler kurzfristig von ihrer Position zu überzeugen. Es zeigt sich eher, dass bestimmte Konstellationen innerhalb der Advokatenkoalitionen durch gemeinsame Ziele oder ideologische Berührungspunkte über einen längeren Zeitraum gebildet wurden und nur noch schwer zu trennen waren. Außerdem hat sich gezeigt, dass wissenschaftliche Studien und Gutachten für die Ministerialbürokratie und die Arbeit der verschiedenen Bundestagsorgane eine entscheidende Rolle spielten. Allerdings benutzten die politischen Akteure die Studien in der Regel zur Festigung und nicht zur Erweiterung der eignen Positionen. Dies ließ sich in allen Fallbeispielen beobachten. In den Unternehmensfallstudien konnte dokumentiert werden, dass die Ausgestaltung der Betriebsrentensysteme zwar grundsätzlich den normativen Vorstellungen folgte, aber eine signifikante individuelle Gestaltung in Abhängigkeit vom jeweiligen betriebsspezifischen Kontext erfolgte. In den Fallstudienunternehmen konnten innerbetriebliche Verhandlungssituationen um die betriebliche Altersvorsorge und die an ihnen beteiligten Akteure nachgewiesen werden. Signifikante Änderungen der Betriebsrentensysteme resultierten aus externen als auch internen Faktoren. Zu diesen Faktoren gehörten u. a. die Anpassung an den veränderten arbeitsoder steuerrechtlichen Rahmen oder die Auflösung von internen Gestaltungsentscheidungen, um nach dem verbindlichen Gleichbehandlungsgrundsatz innerhalb einer Beschäftigtengruppe eine soziale Gerechtigkeit herzustellen, Kosten einzusparen oder andere finanzwirtschaftliche Effekte zu erzielen. Es konnten in allen Fallstudienunternehmen Verhandlungsprozesse zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sowie Entscheidungsprozesse des Arbeitgebers identifiziert werden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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