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Form und Reflexion

Antragsteller Dr. Fabian Börchers
Fachliche Zuordnung Theoretische Philosophie
Geschichte der Philosophie
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 430901065
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt „Form und Reflexion“ hat sich mit der philosophischen Frage beschäftigt, ob man eine abschließende Bestimmung dessen geben kann, was es bedeutet, in einem logischen, auf Wahrheit ausgerichteten Sinn zu denken. Im Sinne einer auf Aristoteles zurückgehenden Tradition kann man diese Frage auch als die Frage formulieren, ob man angeben kann, was jedes Denken, unabhängig von den konkreten Inhalten, über die jeweils nachgedacht wird, der Form nach erfüllen muss, um als Denken zu gelten. In diesem Zusammenhang hat sich das Projekt insbesondere mit einer skeptischen Herausforderung auseinandergesetzt, welche aus prinzipiellen Gründen in Zweifel zieht, dass eine solche Formbestimmung möglich ist – und zwar deshalb, weil jede Reflexion auf das Denken, durch welche eine solche Formbestimmung vorgenommen werden könnte, ja wiederum von uns und also in unserem Denken durchgeführt werden müsste. Der Verdacht ist, dass die Ergebnisse einer solchen Reflexion im Anspruch notwendig begrenzt sein müssen: Was wir als Denken bestimmen können, ist maximal unsere Auffassung davon, was korrektes Denken ist. Dies schließt, so der Verdacht, keineswegs aus, dass es nicht anderes Denken geben kann, das wir entweder nicht nachvollziehen können oder notwendig für inkorrekt halten müssen, das aber selbst einen analogen Anspruch auf Richtigkeit stellt. Das Projekt hat sich dieser skeptischen Herausforderung insbesondere in Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Diskussion um Gottlob Freges Versuch, eine solche Möglichkeit abzuschmettern, und Ludwig Wittgensteins Diagnose des Scheiterns dieses Versuchs gewidmet. Inhaltlich hat das Projekt drei wesentliche, miteinander verknüpfte Ergebnisse erbracht: Erstens, dass die in der Diskussion der Thematik immer wieder aufgeworfenen Positionen des logischen Relativismus, des Dogmatismus und einer unser Denken übersteigenden Außenperspektive allesamt auf einem gemeinsamen Missverständnis der skeptischen Herausforderung beruhen. Zweitens, dass ein Vermeiden dieses Missverständnisses nur durch ein richtiges Verständnis logischer Gesetze als für das Denken konstitutiver Regeln möglich ist. Und drittens, dass eine reflexive Bestimmung des Denkens weder als ein Ausschluss der Möglichkeit eines logisch fremden Denkens noch als ein Zugeständnis einer solchen Möglichkeit verstanden werden darf, sondern der Sinn einer solchen Möglichkeit selbst unverstanden ist, solange er nicht in konkreter Auseinandersetzung mit Kandidaten für ein solches Denken gefüllt wird. Eine Reflexion auf die Grenzen unseres Denkens kann es nicht im Abstrakten, sondern nur in der konkreten hermeneutischen Auseinandersetzung geben.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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