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Die Stadtsprache Hannovers

Antragsteller Dr. François Conrad
Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 431328772
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersuchte die Sprache der niedersächsischen Landeshauptstadt mit einem Schwerpunkt auf der Aussprache. Ausgangspunkt war die deutschlandweit verbreitete Meinung, dort werde ein besonders „reines“, zuweilen das „beste“ Hochdeutsch gesprochen. Das Projekt besteht aus zwei Teilprojekten: Im Teilprojekt „Objektsprachliche Variation“ wurde dokumentiert, wie das gesprochene Deutsch in Hannover aktuell tatsächlich beschaffen ist. Im Teilprojekt „Sprachvariation und subjektive Konzepte“ ging es um sprachliche Erfahrungen, sprachliches Wissen und Bewertungen von Sprache(n). Hierfür wurden 100, in Hannover aufgewachsene Personen verschiedener Generationen, Geschlechter, Stadtviertel und Ortsfestigkeit gebeten, unter anderem Aufgaben wie ein Bildbenennungs- und einen Vorlesetest zu durchlaufen, in einem Interview ihre Sprachbiografie zu erzählen, bestimmte Aussprachen zu bewerten, verschiedene Sprachproben aus mehreren Städten zu verorten und auf einer Karte einzuzeichnen, wo ähnlich und wo anders als in Hannover gesprochen wird. Die Ergebnisse offenbaren, dass auch in Hannover kein „reines“ Hochdeutsch gesprochen wird, sondern die Menschen aus der Stadt je nach Situation und Alter unterschiedlich sprechen. Gerade im Generationenvergleich zeigt sich, dass bestimmte niederdeutschbasierte Aussprachen immer weniger benutzt werden (etwa Zuch statt Zug), während andere mit jüngerem Alter immer häufiger gebraucht werden (etwa Keese statt Käse oder Füsch statt Fisch). In privaten Kontexten nutzen die Gewährspersonen zudem häufiger Aussprachen, die nicht der hochdeutschen Norm entsprechen, als wenn sie etwa im Erhebungsraum an der Universität sind. Außerdem wurde deutlich, dass sich auch die Bewertungen über die Sprache in Hannover und das individuelle Wissen teils stark unterscheiden, erneut vor allem im Generationenvergleich. Während viele Gewährspersonen der Meinung sind, dass in Hannover tatsächlich das beste Hochdeutsch gesprochen wird, betonen andere, dass etwa die frühere Umgangssprache ‚Hannöversch‘ teilweise noch zu hören sei. Das Hochdeutsche stellte sich für viele Teilnehmende als wichtig für die lokale Identität heraus, da, abgesehen vom Hannöverschen, in Hannover kein Dialekt wie das Niederdeutsche (‚Platt‘) gesprochen würde. So wie in Hannover wird laut den Befragten zugleich auch in einem größeren Raum um die Stadt herum gesprochen. Das Projekt hat die Vielfalt der Sprache in Hannover in Gebrauch und Wahrnehmung offengelegt und gezeigt, dass die Stadt zwar deutschlandweit als Ort eines „besten“ Hochdeutsch betrachtet wird, die sprachliche Realität jedoch wesentlich komplexer und dynamisch ist. Das Projekt und seine Ergebnisse wurden in zahlreichen Medien (Radio, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften) besprochen und in vielen Citizen-Science- und wissenschaftskommunikativen Formaten vorgestellt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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