Kognitive Kontrolle der auditiven Aufmerksamkeit: Untersuchungen zum flexiblen vorbereitenden "Einstimmen" auf einen Sprecher in einer Situation mit mehreren Sprechern
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Selektives Hören zeigt die Rolle der Aufmerksamkeit in der Informationsverarbeitung. Diese wurde oft in Situationen untersucht, in denen mehrere Sprecher gleichzeitig zu hören sind (“cocktail party” Situationen) und irrelevante Sprachstimuli ignoriert werden müssen. Solche Studien fokussieren oft auf die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit und wie gut die Zielinformation erinnert werden kann. Im aktuellen Projekt, das mit dem internationalen Kollegen Dr. Aureliu Lavric (Exeter, UK) als DFG Mercator Fellow durchgeführt wurde, wurde das intentionale Wechseln der Aufmerksamkeit mittels Reaktionszeit (RT)-Aufgaben untersucht. Die Aufgabe erforderte eine Klassifikation eines Zahlworts, aber es wurden immer zwei Zahlworte gleichzeitig dargeboten, so dass ein Hinweisreiz („cue“) die Zielinformation bgzl. Geschlecht (Frauen- vs. Männerstimme) oder Position (links vs. rechts) spezifizieren musste. Der Hauptbefund sind „Wechselkosten“ in RT und Fehlerraten relativ zur Situation, in der die Aufmerksamkeitseinstellung („attentional set“) beibehalten werden kann. Das Projekt zielte darauf ab, theoretische Ansätze zur proaktive kognitive Kontrolle des „attentional set“ zu testen. Hierfür wurde das Cue-Stimulus Intervall (CSI) und damit die Zeit für die Vorbereitung auf einen Aufmerksamkeitswechsel variiert. Wir fanden, dass Vorbereitung generell die Leistung verbessert, und zwar auch dann, wenn der Cue unspezifisch nur einen Wechsel anzeigte und damit das vorherige Set inhibiert werden konnte, ohne dass ein neues aktiviert werden konnte. Weiterhin zeigte sich, dass der Vorbereitungseffekt nicht davon abhing, ob es viele oder wenige Versuchsdurchgänge mit induziertem Reaktionskonflikt gab, sondern dass die Wechsel-Wahrscheinlichkeit wichtig ist. Der Vorbereitungseffekt war besonders stark, wenn Wechsel selten (25%) waren im Vergleich zu häufigen (75%) Wechseln. Weitere Studien zeigten, dass dieser verstärkte Effekt proaktiver, vorbereitender Kontrolle nicht auf „phasischen“ Kontrollprozessen, die in jedem Durchgang neu stattfinden, beruht, sondern auf einer zeitlich anhaltenden („tonische“) Wechselbereitschaft als Art von meta-Kontrolleinstellung. Diese Vorbereitungsprozesse basieren vermutlich auf einem zeitfordernden cue-basierten Abruf von auditiven Objekt-Vorlagen („templates“), was dadurch nahegelegt ist, dass Effekte der merkmalsbasierten Integration („feature binding“) mit mehr Vorbereitungszeit stärker werden. Daten einer abschließenden EEG-Studie zeigten, dass Aufmerksamkeitswechsel und Aufgabenwechsel vergleichbar sind. In der Summe zeigen die Befunde, dass proaktive kognitive Kontrolle zentral für das selektive Hören ist und dass diese Kontrolle supramodal zu sein scheint, so dass theoretische Ansätze im visuellen Bereich auf die Kontrolle der auditiven Aufmerksamkeit übertragbar sind.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Increasing the need for (and optimising the detection of) preparatory switching of auditory attention. In A. Huckauf, M. Baumann, M. Ernst, C. Herbert, M. Kiefer, & M. Sauter (Eds.), TeaP 2021 - Abstracts of the 63rd Conference of Experimental Psychologists (pp. 243). Pabst Science Publishers
Strivens, A., Koch, I. & Lavric, A.
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Switching attention between simultaneous voices: the effect of switch probability [Conference poster abstract]. Psychonomic Society 62nd Annual Meeting (pp. 199). Online conference
Strivens, A., Koch, I. & Lavric, A.
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Switching attention between simultaneous voices: the effect of switch probability [Conference poster presentation]. 10th Workshop of General Psychology for Doctoral candidates (ADok). University of Würzburg, Würzburg, Germany
Strivens, A., Koch, I. & Lavric, A.
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Switching attention between simultaneous voices: the effect of switch probability [Conference presentation abstract]. 22nd Conference of the European Society for Cognitive Psychology (ESCoP). University of Lille, Lille, France
Strivens, A., Koch, I. & Lavric, A.
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Does preparation reduce the effects of feature binding when switching auditory attention? [Conference poster abstract]. 23rd Conference of the European Society for Cognitive Psychology (ESCoP; pp. 202). University of Porto, Porto, Portugal
Strivens, A., Benini, E., Philipp, A.M., Koch, I. & Lavric, A.
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Shifting attention between simultaneous voices: How we prepare to listen to a new speaker [Conference poster abstract]. Psychonomic Society 64th Annual Meeting (pp. 175-176). San Francisco, California, USA
Strivens, A., Benini, E., Philipp, A.M., Koch, I. & Lavric, A.
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Shifting attention between simultaneous voices: how we prepare to listen to a new speaker. In J. Balint, & J. Fels (Eds.), Proceedings of the 1st Audictive conference (pp. 138-141). RWTH Aachen University, Institute for Hearing Technology and Acoustics
Strivens, A., Koch, I. & Lavric, A.
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Switching between dichotic voices cued by gender or location: Do preparation and feature binding interact? In S, Merz, C. Frings, B. Leuchtenberg, S. Mueller, R. Neumann, B. Pastötter, L. Pingen, & G. Schui (Eds.), Abstracts of the 65th TeaP (pp. 351). Trier University, Trier, Germany
Strivens, A., Benini, E., Philipp, A.M., Koch, I. & Lavric, A.
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Does preparation help to switch auditory attention between simultaneous voices: Effects of switch probability and prevalence of conflict. Attention, Perception, & Psychophysics, 86(3), 750-767.
Strivens, Amy; Koch, Iring & Lavric, Aureliu
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Exploring “phasic” vs. “tonic” accounts of the effect of switch probability on the auditory attention switch cost. Quarterly Journal of Experimental Psychology, 78(6), 1061-1076.
Strivens, Amy; Koch, Iring & Lavric, Aureliu
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Pre-empting the cue or always ready to switch? Distinguishing between theories of the switch probability effect in auditory attention switch costs. In K. Fröber, M. Abel, K. Bäuml, G. Dreisbach, O. Kliegl, M. Köster, A. Lingau, G. Volberg, & F. J. Götz (Eds.), Book of Abstracts: 66th Conference of Experimental Psychologists (pp. 375). Pabst Science Publishers
Strivens, A., Koch, I. & Lavric, A.
