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Die Judäer/Aramäer auf Elephantine . Ihr sozialer und ökonomischer Status im Lichte neuer Texte aus dem perserzeitlichen Ägypten und aus Babylonien.

Fachliche Zuordnung Evangelische Theologie
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 432563380
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Unser Forschungsprojekt verfolgte zwei Ziele: Zum einen wurde untersucht, welche Erkenntnisse über den sozialen Status der Judäer/Aramäer in Elephantine aus neuen judäischen und anderen westsemitischen Quellen aus der Perserzeit gewonnen werden können: Bisher unveröffentlichte Quellen, z. B. über 126 aramäische Fragmente aus Elephantine und 98 Texte aus Babylonien erforderten eine philologische Analyse dieser Texte. Zum anderen problematisierte das Projekt einen Interpretationsansatz zu den Judäern/Aramäern, der vor mehr als 55 Jahren von Bezalel Porten etabliert wurde: Dieser sah Elephantine als persische Militärkolonie und analysierte deren Kultur anhand der biblischen Bücher Esra und Nehemia. Ein wesentliches Ergebnis des Projektes ist, dass die wirtschaftliche und soziale Situation der Judäer und Aramäer von Elephantine in einem weitaus breiteren Kontext gesehen werden muss, als dies von der bisherigen Forschung getan wurde: Das Material belegt, dass Elephantine keine Militärkolonie war, sondern ein wichtiger Teil des persisch dominierten Wirtschaftsraums. Anhand der neuen Textquellen ist der Wissenschaftliche Mitarbeiter im Projekt zu dem Ergebnis gelangt, dass der Großteil der ägyptischen Provinz im 5. Jahrhundert um Grundbesitz herum strukturiert war. In den Papyri und Ostraka aus Saqqara und Syene/Elephantine sind fünf institutionelle Ebenen erkennbar: die königlichen Ländereien, das Festungssystem, das die Bezirke regierte, die Kolonialgemeinschaften, die lokaleinheimischen Gemeinschaften und die peripheren einheimischen Siedlungen. Die beiden erstgenannten sind reine Verwaltungsinstitutionen, während die letzten drei um Tempelinstitutionen herum organisiert sind, die von den Verwaltern überwacht werden. Ältere Forschungsarbeiten betrachteten die Judäer als eine unabhängige Gemeinschaft, die auf Veranlassung der Perser die Grenze kontrollierte. Die erzielten Ergebnisse zum Verwaltungssystem von Elephantine ändern diese Position jedoch grundlegend. Das Leben der Judäer war kolonial geprägt: Es stand im Kontext der kulturellen Ziele des persischen Reiches und in Koexistenz mit den einheimischen Ägyptern. Die Judäer waren keine unabhängige Religionsgemeinschaft. Ihre „Identität“ war größtenteils eine administrative Konstruktion des persischen Verwaltungssystems, welches ihnen als anerkannte Kolonialsiedlung Vorteile verschaffte, insbesondere gegenüber den einheimischen Ägyptern. Die Forschungsergebnisse bieten nicht nur eine neue Perspektive auf den sozialen und wirtschaftlichen Status der Judäer und Aramäer in Elephantine, der über die traditionelle Definition als Militärkolonie hinausgeht, sondern auch neue Erkenntnisse hinsichtlich der in Elephantine gefundenen persischen Keramik und der Bibliothek des ägyptischen Tempels. Die Nilinsel Elephantine beherbergte einen wichtigen ägyptischen Tempels und diente als Verwaltungszentrum für das 1. Kataraktgebiet im südlichen Ägypten.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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