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Die Untersuchung impliziter und expliziter Prozesse des suizidalen Entwicklungsverlaufs – PRIMEX-S

Antragstellerin Juliane Brüdern, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 433498307
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Suizidales Erleben und Verhalten (SEV) stellen komplexe Phänomene dar, deren Ursachen und Mechanismen bisher unzureichend verstanden werden. Insbesondere die Erforschung impliziter Prozesse im Kontext von SEV wurde bisher zu wenig beachtet. Das Projekt PRIMEX-S hatte das Ziel, drei implizite Marker, die in vorherigen Studien mit einem erhöhten Risiko für suizidales Erleben und Verhalten (SEV) assoziiert waren, zu untersuchen. Es ist die erste Studie, welche implizite Assoziationen zwischen der eigenen Person und dem Tod in Form eines Death-Identity-Bias, einen suizidspezifischen Aufmerksamkeitsfehler (SAF) und behaviorale Impulsivität bei einer Hochrisikogruppe bestehend aus stationären Patient:innen nach suizidaler Krise und einer gesunden Kontrollgruppe (KG) untersuchte. In die Studie wurden n = 61 gesunde Kontrollproband:innen , n = 42 Patient:innen mit ausschließlich Suizidgedanken (SG) und n = 40 Patient:innen mit aktuellem Suizidversuch (SV) eingeschlossen. Zur Messung der impliziten Marker wurde ein Death-Implicit-Association Test (D-IAT), ein modifizierter Suicide-Stroop Test (M-SST) und ein Go/NoGo (GNG)Test durchgeführt. Beide Patient:innengruppen zeigten im Vergleich zur KG einen Death-Identity-Bias in Form von stärkeren impliziten Assoziationen mit dem Tod sowie einen SAF. Patient:innen mit SG oder SV unterschieden sich nicht signifikant in ihrer Ausprägung in den untersuchten Markern. Demnach können ein Death-Identity-Bias und ein SAF als implizite kognitive Marker suizidalen Erlebens und Verhaltens angesehen werden, wobei aber keine Differenzierung zwischen Personen mit Suizidgedanken im Vergleich zu denen mit suizidalen Handlungen möglich ist. In Bezug auf den dritten impliziten Marker zeigten Patient:innen mit SV im Vergleich zur KG eine erhöhte behaviorale Impulsivität, was auf ein Impulskontrolldefizit in dieser Gruppe hinweist. Patient:i nnen mit SG und SV unterschieden sich nicht signifikant, jedoch war der Impulsivitätsscore der Patient:innen mit SV dreimal höher als bei Patient:innen mit SG. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse über implizite Prozesse der suizidspezifischen Informationsverarbeitung und der Impulskontrolle bei Personen mit SEV, welche für die Verbesserung der Diagnostik und Behandlung von Suizidalität genutzt werden können.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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