Ippesheim (NEA) - Interpretation and publication of a Middle Neolithic circular enclosure in Northern Bavaria
Final Report Abstract
Die Ausgrabungen in der Kreisgrabenanlage von Ippesheim fanden in den Jahren 1998-2004 statt. Erst 2019 ermöglichte die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Aufarbeitung der Funde und Befunde. Die einfache Grabenanlage mit innenliegendem Wall und in Resten erhaltenem Palisadengräbchen weist eine erstaunlich komplexe Baugeschichte auf. Ursprünglich besaß der Kreisgraben 9 Erdbrücken, von denen drei sukzessive abgegraben wurden. Zwei der verbliebenen sechs Tore wurden später verengt respektive erweitert. Der Graben wurde, abgesehen von kleineren begrenzten Reparaturmaßnahmen einer grundlegenden Neugestaltung unterzogen, wobei die Schauseite mit einem besonders tiefen Graben beiderseits des Nordwestores nach dem Umbau nach Nordosten verlagert wurde. Auf der Basis von 50 14C-datierten Tierknochen konnte die etwa 140-jährige Nutzungszeit in das späte 49. und 48. Jahrhundert datiert und in vier Hauptphasen sowie etliche Subphasen untergliedert werden. Die Ausrichtung der Tore im Nordosten, Südosten und Westen orientiert sich nach dem Aufgangs- bzw. Untergangspunkt der Sonne zur Sommer- und Wintersonnwende sowie der Tag-und-Nachtgleiche. Die ersteren beiden nehmen überdies Landmarken des naheliegenden Steigerwaldrands in den Blick. Im SW-Tor war im Frühjahr der heliakische Untergang der Orion-Gürtelsterne zu beobachten. Trotz nachweislicher solarer und möglicher stellarer Visuren durch mehrere Tore wird die Anlage nicht als “Sonnenobservatorium“ oder „Kalenderbau“ gedeutet. Vielmehr sehen wir in dem Rondell eine Arena für zeremonielle Aktivitäten mit jahreszeitlichem Bezug, wahrscheinlich unter Nutzung dramatischer Lichteffekte der auf- oder untergehenden Sonne durch die Palisadenlücken. Die baulichen Details und ihre Umgestaltungen unterstreichen den performativen Charakter der Kreisgrabenanlage, deren visuelle Effekte bei der Inszenierung der rituellen Aktivitäten eine wichtige Rolle spielten. Ohne direkten Vergleich ist weiterhin die im Mittelpunkt der Kreisgrabenanlage kopfüber in einer Grube entdeckte Senkrechtbestattung eines 20-30-jährigen, wohl männlichen Individuums, die zwar erst nach Aufgabe der Kreisgrabenanlage in den Boden kam, wohl aber auf einen besonderen „numinosen“ Charakter des Geländes hinweist. Isotopenuntersuchungen sprechen für seine ortsfremde Herkunft und eine ungewöhnliche Ernährung, in der tierisches Eiweiß, möglicherweise Süßwasserfisch, eine besondere Rolle spielte.
Publications
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Inszenierte Zeit: Architektonische Konzeption, astronomisches Wissen und soziale Praxis in Kreisgrabenanlagen des 5. Jahrtausends cal BC. In: H. Meller, A. Reichenberger u. R. Risch (Hrsg.), Zeit ist Macht. Wer macht Zeit? 13. Miteldeutscher Archäologentag. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 24 (Halle/Saale 2021) 45-61
W. Schier
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Die mittelneolithische Kreisgrabenanlage von Ippesheim, Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Mit Beiträgen von Stefan Suhrbier, Jörg Faßbinder, Silviane Scharl, Timo Seregely, Susann Möller, Maaike Groot, Rita Beigel, Jörg Orschiedt, Claudia Gerling und Corina Knipper. Berliner Archäologische Forschungen, Bd. 22 (Rahden/Westf.: Leidorf 2023)
K. Gebhard & W. Schier
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Ippesheim (Bavaria): a simple rondel? Bayesian modelling of radiocarbon dates and its consequences for the use history and interpretation of the enclosure. In: W. Schier (Ed.), Rondels revisited. Recent research on Neolithic circular enclosures in Central Europe 5000-4500 cal. BC. Berliner Archäologische Forschungen, Bd. 21 (Rahden/Westf. 2023) 257-280
W. Schier & K. Gebhard
