Krise und Aufbruch. Das Zeitalter des Investiturstreites jenseits des Investiturstreites.
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Ziel des Wissenschaftlichen Netzwerks „Krise und Aufbruch: Das Zeitalter des Investiturstreits jenseits des Investiturstreits“ war es, mittels unterschiedlicher methodischer Ansätze eine Reihe von prägenden und tiefgreifenden Veränderungen in den sozialen und institutionellen Strukturen sowie den herrschaftlichen und kommunikativen Praktiken des römisch-deutschen Reichs im Zeitraum des sogenannten Investiturstreits (1070–1130) zu erforschen. Das Netzwerkformat sollte den bisher vorherrschenden, primär einzeldisziplinären und regionalen Zugang überwinden und eine länder- und methodenübergreifende Perspektive ermöglichen. Ziel war es, die räumlichen Spezifika kontrastiv zu beleuchten und den Zusammenhang zwischen den zu untersuchenden Veränderungen einerseits und dem Investiturstreit andererseits angemessen herauszuarbeiten. Zu diesem Zweck wurde das Projekt in vier thematische Bereiche unterteilt. Die Mitglieder der ersten Sektion „Diskurse und Öffentlichkeit“ (Ciccopiedi, Faini, Hartmann) gingen von einer Verfeinerung rhetorischargumentativer Strategien oder zumindest einer Intensivierung polemischer Diskurse im Rahmen eines allgemeinen Wortgefechts aus. Die zweite Arbeitsgruppe (Fiore, Kohl, Wolf) konzentrierte sich auf die Veränderungen von Herrschaftspraktiken und -strukturen in den Jahrzehnten um 1100 und betonte dabei den auslösenden Charakter der militärischen Konflikte der 1080er und 1090er Jahre. Die dritte Sektion (Bollen, Klocke, Manganaro, Riversi, Vezzoni, Wenzel) widmete sich den Netzwerken und Karrierewegen der Bischöfe. Die Teilprojekte betrachteten die Bischöfe als Teil übergeordneter Beziehungsnetzwerke, die üblicherweise im Amt des Königs kulminierten, und gleichzeitig als Spitze bzw. Mittelpunkt untergeordneter Beziehungsnetzwerke, die sich um den jeweiligen Bischof formierten. Der Untersuchungsgegenstand der Teilprojekte der vierten und letzten Arbeitsgruppe „Medien und Zeichen“ (Baumbach, Doublier, Zöller) war die Schriftlichkeit, insbesondere die urkundliche Tätigkeit ausgewählter Bischöfe, sowie die epigraphische Kultur Roms. Insgesamt fanden fünf Workshops und eine Abschlusstagung des Netzwerks statt. Pandemiebedingt konnten nur zwei Workshops sowie die Abschlusstagung in Präsenz abgehalten werden. In der Regel wurden auf jedem Arbeitstreffen vorläufige Ergebnisse der jeweiligen Fallstudie, die im Vorfeld zur Verfügung gestellt wurden, mithilfe von externen Expertinnen und Experten kritisch diskutiert. Auf der Abschlusstagung wurden eine Poster-Ausstellung gezeigt und in Form von Runden Tischen vier öffentliche Debatten zu den vier Arbeitsgruppen abgehalten. Die Ergebnisse des Projektes sollen in einem Sammelband festgehalten werden, der nicht nur aus einzelnen Fallstudien besteht, sondern auch synthetisierende Abschnitte enthält, die den Mehrwert der Komparation thematisieren.
