Detailseite
Technik, Rahmen, Oberflächen. Zur Metaphorizität des Theatertextes
Antragstellerin
Dr. Hannah Elisa von Sass
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2020
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 434444754
Der Theatertext wird Mitte des 17. Jahrhunderts als ‚Gemälde‘ bezeichnet, hundert Jahre später wird er zur ‚Mauer‘, im 19. Jahrhundert schließlich eine ‚Pyramide‘. Im späten 20. Jahrhundert wird er zur ‚Maschine‘ erklärt, die statt Figuren ‚Textträger‘ produziert. Die wissenschaftliche Analyse von Theatertexten ist weithin von räumlichen und materiellen Metaphern durchzogen und bereits auf einen bestimmten theoretischen Zugang festgelegt. Dass Texte ebenso ein temporal bedingtes Medium des Vollzugs sind, wird durch den ‚Begriffsapparat‘ marginalisiert.Die vorherrschenden Metaphoriken evozieren die Vorstellung einer stabilen Materie, auf die in wissenschaftlichen Arbeiten oft unhinterfragt zurückgegriffen wird. Um die Bedeutung der kanonisch gewordenen Terminologien zu verstehen, gilt es einerseits, die Selbstverständlichkeit ihres räumlichen und materiellen Ausdrucks einer kritischen Revision zu unterziehen. Andererseits ist nach sprachlichen Möglichkeiten einer theoretischen Praxis zu fragen, die den temporalen Vollzug von Theatertexten mehr in den Fokus zu rücken vermögen. Mit dem geplanten Forschungsprojekt soll kenntlich gemacht werden, welche diskursiven Kontexte und formenden Medien im historischen Wechsel unterschiedliche Metaphoriken in der Theatertextanalyse hervorbringen.Obgleich in theater- und literaturwissenschaftlichen Untersuchungen eine kritische Auseinandersetzung, etwa mit den Forderungen einer Raum-Zeit-Einheit oder dem Regelwerk der doctrine classique stattgefunden hat, steht eine systematische Analyse der seitdem zum Einsatz kommenden Diskurssprache aus. Die grundlegende Annahme lautet, dass durch den Einsatz überwiegend räumlicher und materieller Metaphern in der Theorie die Wahrnehmung der transitorischen und sukzessiven Momente in Theatertexten subkutan negiert wird. Erst durch eine Erweiterung des Begriffsspektrums können diese auch sprachlich reflektiert werden. Anliegen dieser Studie ist es folglich, erstens, die Genese und Wirkmacht einer Metaphernsprache in der theoretischen Abhandlung von Theatertexten nachzuvollziehen, somit, zweitens, für ihren weiteren Einsatz in der Analyse zu sensibilisieren, um schließlich, drittens, tragfähige Alternativen zu erwägen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
