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Vulkanisch-tektonische Entwicklung des Christiana-Santorini-Kolumbo Vulkanfeldes / zentrale Ägäis

Fachliche Zuordnung Paläontologie
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 434763330
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Christiana-Santorini-Kolumbo-Vulkanfeld (CSKVF) in der südlichen Ägäis liegt in einer aktiven kontinentalen Riftzone und ist eine der gefährlichsten Vulkanregionen der Welt. Hier ereignete sich vor ca. 400 Jahren der historische Ausbruch des submarinen Kolumbo- Vulkans sowie vor ca. 3600 Jahren die minoische Eruption, die vermutlich zum Untergang der minoischen Zivilisation beigetragen hat. Die Land-Stratigrafie des CSKVF ist eine der am besten untersuchten der Welt, jedoch bestehen große Wissenslücken bezüglich der submarinen Ablagerungen. In diesem Projekt verknüpfen wir die marinen Seimo-Stratigrafie mit vulkanischen Sequenzen an Land, um so das erste konsistente seismostratigrafische Modell für das CSKVF zu präsentieren, das es ermöglicht, die tektonische Entwicklung der Riftbecken mit der Entwicklung der vulkanischen Zentren in Verbindung zu bringen. Wir zeigen, dass sich das CSKVF aus einem Vulkanfeld mit lokalen Zentren entwickelt hat, das erst in den letzten ca. 350.000 Jahren zu dem großen Santorini-Vulkankomplex heranreifte. Der Vulkanismus begann im späten Pliozän, als ein ESE-WNW-orientiertes tektonisches Regime von einem neu entstehenden NE-SW-gerichteten Riftsystem überlagert wurde. Danach entstanden alle Vulkane parallel zu diesem Trend entlang von NE-SW-streichenden Verwerfungen. Im Pleistozän kam es zu zwei tektonischen Pulsen, die an den Flanken von Santorini eine Kaskade von großen Hangrutschungen auslösten und zu einer Fokussierung der vulkanischen Aktivität auf Santorini führten. Darüber hinaus ermöglichen die seismischen Daten die Identifizierung und Kartierung des minoischen Ignimbrits im submarinen Bereich. Die Kombination dieser Daten mit einem multidisziplinären Datensatz, der Sedimentkerne und P-Wellen-Tomografiedaten umfasst, ermöglichte die Berechnung des Volumens der minoischen Eruption, welches 34.5 ± 6.8 km3 beträgt und damit deutlich kleiner ist als bisher angenommen, aber mit einer unabhängigen Rekonstruktion des Caldera-Kollapses übereinstimmt. Insgesamt verdeutlichten die Ergebnisse dieses Projekts, dass Tektonik, Vulkanismus und Massenbewegungen am CSKVF grundlegend miteinander verbunden sind und sich gegenseitig als gefährliche Katastrophenkaskaden auslösen können. Überwachungs- und Frühwarnsysteme an den Flanken von Santorini und Kolumbo sind dringend erforderlich, damit das nächste Ereignis nicht zu einer Katastrophe wird.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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