Archaeological Studies on a Bronze-casting Workshop in Gerasa (Jordan) in the Light of the Development of Metal Processing Technology during the Roman Impe-rial Era
Final Report Abstract
Die Werkstatt für den statuarischen Bronzeguß auf der Terrasse unterhalb des neuen Tempels war während der Bauzeit des Heiligtums in der Mite des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts tätig. Es spricht vieles dafür, daß die Werkstatt an der Fertigung der monumentalen Zeusstatue beteiligt war. Dabei scheint in dem gegrabenen Teil der Werkstatt eine unterlebensgroße Figur, eventuell die Siegesgöttin in der Hand des Gottes gegossen worden zu sein. Dafür sprechen die Formmantelfragmente aus den von der Französischen Grabung freigelegten Gußgruben ebenso wie das Fragment einer Falte aus Bronze im Bereich des Tiegelofens. Die Fundlage zeigt das Vorgehen der Gießer nach Beendigung ihrer Arbeit: Die Formen wurden nach dem Guß in der Nähe der Gruben zerschlagen und die Fragmente in den Gruben verfüllt, der Werkstattboden also besenrein hinterlassen. Durch eine dünne Lehmschicht war er für eine weitere Nutzung der Räume bereit, die aber nichts mehr mit der Gießerei zu tun hatte. Einbauten für andere Gewerke aus der Zeit bis zur Zerstörung durch das Erdbeben ließen sich nicht beobachten. Der bei unserem Projekt freigelegte Teil der Werkstatt diente den letzten Arbeitsgängen, bei denen frei hängende Gewandfalten oder auch eher architektonische Ornamente wie z.B. Verkleidungen von Altären, Säulenbasen oder monumentalen Tempeltüren hergestellt wurden. (Vergleichbare Funde sind in großer Zahl aus Oberitalien, insbesondere Brescia, bekannt) Dafür spricht die Lage der Gruben, die immer weiter zum Eingangstor hin oder auch außerhalb der Westwand der Halle angelegt waren. Sie waren nicht gezielt und für mehrfache Nutzung angelegt, wie man dies bei der Anlage der gesamten Werkstatt annehmen darf, sondern sie zeugen von einer mehr oder weniger eiligen Anlage, bei der man sich immer weiter zum Ende des verfügbaren Raumes hin bewegte und keine große Rücksicht auf die nötigen Arbeitswege nahm. Die in den Gruben erhaltenen eckigen und kreisrunden Formunterteile sprechen für den Guss architketonischer Eltemente. Die Formmantelfragmente hingegen stammen nicht von Objekten, die in diesen Gruben gegossen wurden. Ihre Form und ihre Kleinteiligkeit lassen annehmen, dass sie außerhalb der Gruben gegossen wurden. Die großen Teile der monumentalen Statue wurden wohl in der NW-Ecke gegossen, wo aber wegen der Einbauten für die Aufseher des archäologischen Geländes in absehbarer Zeit keine Grabung möglich sein wird, es sei denn, die von den Französischen Ausgräbern geplante Restaurierung der gesamten Tempelanlage kommt zu einer Ausführung. Als Vorstellung des Werkraumes unserer Gießerei kann einstweilen nur die rekonstruierte lange, unter der pseudokryptoporticus gelegene Halle der Südseite dienen, die als Ausstellungsraum für architektonische Funde dient. Daß in solchen Räumen, die ja in Abständen Öffnungen im Gewölbe besitzen, über lange Zeit hin gefeuert werden konnte, zeigt ein moderner Vergleich: In den Seifensiedereien in Aleppo wird die berühmte Seife (sapon d’Alep) auch heute noch in großen, im Boden eingelassenen Kesseln erhitzt. Technische Neuerungen besonders im Vergleich zum Bronzeguß in Griechenland von der geometrischen bis in die hellenistische Zeit hinein beruhen vor allem auf der Verwendung einer stark bleihaltigen Bronzelegierung. Die bisher zur Verfügung stehenden Analysen deuten auf einen Bleianteil von 20-32%. Damit bewegen sich die Anteile im obersten Bereich des bei römischen Bronzen Üblichen. Da die Zugabe von Blei den Schmelzpunkt der Bronze deutlich senkte, brauchte man nicht mehr an die Grenzen der Werkstoffe, d.h. des Tones zu gehen. Die Spuren von Erhitzung wie z. B. bei der kleinen Grube für den Schmelztiegel sind daher geringer ausgefallen, beziehungsweise ließen sich in den großen Gussgruben überhaupt nicht nachweisen. Eine schon von Jacques Seigne gefundene riesige Blasebalgdüse ist nur durch Seile stabilisiert gewesen, während man die Blasebalgdüsen in den vergleichbaren Anlagen in Griechenland vorbrennen mußte. Voraussetzung war, daß die Gießer genau wußten, wie stark der Zusatz von Blei die Materialeigenschaften veränderte. Das war natürlich besonders bei monumentalen Größenordnungen von Bedeutung, bei denen statische Fragen eine große Rolle spielten. Die Funde in Gerasa vermiteln uns also einen Einblick in die Arbeit einer hochspezialisierten Werkstatt, die nach Beendigung der Arbeiten und der Bauabnahme ihre Werkzeuge zusammenpackte und zum Ort des nächsten Auftrages weiterzog. Wenn die Überlegungen von Wolfgang Thiel stimmen, gab es in den großen Städten Palästinas eine hohe Nachfrage. Das könnte auch damit zusammenhängen, daß die Gottheit Zeus in dem Gebiet mit unterschiedlichen religiösen Vorstellungen ideal war, denn die lateinisch sprechenden Bewohner der Dekapolis sahen in der Gotttheit natürlich Jupiter und darin auch die Gestalt des römischen Kaisers.
Publications
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Bronze Casting in Roman Gerasa, in: S. Abouzayd (Hrsg.), The Decapolis: History and Archaeology. Proceedings of the Aram Fifty First International Conference (2022). ARAM periodical 34 (Oxford 2024) 243 – 268
S. Becht
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Jerash: Lower Terrace of the Temple of Zeus, Archaeology in Jordan 3 (2022) 26 – 28
G. Zimmer & S. Becht
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The Lost Form – How Excavations in Gerasa and Manufacture of Ceramic Moulds are Connected, in: D. Bartus – M. Szabó (Hrsg.), Proceedings of the 21st International Congress on Ancient Bronzes. Dissertationes Archaeologicae Supplementum 4 (Budapest 2023)
F. Karl & S. Becht
