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Kirchliches Handeln jenseits der Ortsgemeinde. Eine praktisch-theologische Theorie der Dienste, Werke und Einrichtungen

Fachliche Zuordnung Evangelische Theologie
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 435709177
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Neben der dominanten Ortsgemeinde haben die evangelischen Landeskirchen in Deutschland unterschiedliche Organisations- und Handlungsformen herausgebildet, die sich nicht durch territoriale, sondern primär funktionale Strukturmuster auszeichnen. Ein großer Teil von ihnen wird kirchenrechtlich mit den Oberbegriffen „Dienste“, „Werke“ und „Einrichtungen“ (DEW) bezeichnet. Diese waren bislang kaum Gegenstand expliziter kirchentheoretischer Reflexion. Diese Forschungslücke füllt das Projekt in interdisziplinärer Anlage mit kirchenrechtlichen, kirchengeschichtlichen bzw. zeitgeschichtlichen, organisationssoziologischen und kirchentheoretischen Perspektivierungen. DEW haben in ihrer Entwicklungsgeschichte Lücken der Ortsgemeinde im Zuge gesellschaftlicher Transformationsprozesse kompensiert und wurden zu einer funktionalen Zweitstruktur innerhalb der Kirchen ausgebaut. Sie zeigen exemplarisch, wie die Kirchen über den Nachbau gesellschaftlicher Differenzierungsprozesse und sozialer Dynamiken gesellschaftlich anschlussfähig bleiben (wollen), aber auch, wie sie mit der eigenen Pluralität von Organisationsund Sozialformen sowie den differenten theologischen Ansätzen umgehen. DEW übernehmen unterschiedliche Aufgaben – sowohl innerkirchliche (fachliche Dienstleistungen und Professionalisierung) als auch gesellschaftlich im Blick auf Präsenz und Dialog an nichtkirchlichen Orten und in Korridoren mit (zivil)gesellschaftlichen Feldern (Einrichtungsseelsorge und gesellschaftsbezogene Arbeitsfelder). Damit stehen sie sowohl für Prozesse der internen Organisationsentwicklung als auch für eine Profilierung als „öffentliche Kirche“ in einer spätmodernen Gesellschaft. Durch ihre Multifunktionalität verfügen DWE über responsive Strukturen nach innen wie nach außen, die sie zu einer intermediären Organisationsgestalt zwischen den klassischen kirchlichen Formen und dem gesellschaftlichen Umfeld machen. DEW bilden kirchliche Präsenzen, die aufgrund ihrer funktionalen, exemplarischen, stärker thematisch, lebensweltlich- und subjektbezogenen Konstitutionslogiken Menschen jenseits ortsgemeindlicher Bezüge ansprechen können und damit zur Reichweitenvergrößerung der kirchlich getragenen Kommunikation des Evangeliums beitragen. Ihre netzwerkförmigen Organisation- und Handlungsformen sind mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Vergemeinschaftung verbunden, die von punktueller bis kontinuierlicher Teilnahme reichen. Sie verkörpern mit ihrem thematisch-exemplarischen Arbeitsprofilen das Bild einer lebensweltlich zugewandten Kirche, die adressat*innenorientiert im Zeichen des individuellen wie sozialen Lebenswohles steht. Mit ihrem besonderen Profil bieten DWE ein prototypisches Potenzial für eine Volkskirche im Übergang, in der sich territoriale Muster entgrenzen und in Richtung funktionaler Muster verflüssigen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Fluide Formen von Kirche. Dienste, Werke und Einrichtungen in Gesellschaft und Kirche des 21. Jahrhunderts, Stuttgart 2024 (ISBN 978- 3-17-044701-8)
    Philipp Elhaus & Uta Pohl-Patalong
 
 

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