Ästhetik des Okzidentalismus. Yücel Çakmaklıs islamisch-turkistisches Millî Sinema („Nationales Kino“) (1964-2006)
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Im Zentrum des Projekts stand das Oeuvre des als Begründer eines türkisch-islamischen Kinos verhandelte Regisseur Yücel Cakmakli (*1937-2009) und das Konzept des "Okzidentalismus": Die Detailanalysen der Filme zeigen, dass die ästhetische Dimension der politisch-ideologischen Einflussmechanismen in Cakmaklis Werk als Strategien des Okzidentalismus fungieren. Die Untersuchungen gestalteten sich als empirischmedienästhetische Ermittlungen (Wahrnehmung, Raum, Zeit, Ton, Medialität, Bild, Körper, Affekte), die für die Beschreibung von Strategien zur audiovisuellen Vermittlung von Okzidentalismus als Diskurssinn entscheidend waren. Zu den vier zu Projektantritt ermittelten Kategorien - (1) visuelle Mehr- und Minderheitentableaus, (2) repräsentationslogische Exzesse an historischen Monumenten, (3) verschleierte Lehrfilmmodalitäten sowie (4) "Preservationsszenen" (Alkin 2019) - wurden drei neu identifizierte Strategien in die Analyse aufgenommen; (5) Körperexzess-Szenen: identitätslogisch aufgeladen imaginierte Körper werden vom kulturell Anderen exorziert (Austreibungsszenen); (6) Krisenszenen als Figurationen von Irreversibilität: Erzählungen von Momenten der Unumkehrbarkeit (Melodrama als Grundmodus). Bei aller ästhetischen Transformation und Konstituierung von Diskurssinn hat die Analyse auch auf eine Ontologie von Westen fokussiert, also eine materielle Kultur des Westens identifiziert: (7) symbolische und performative Entitäten werden geschaffen, die als westlich markiert werden. Insgesamt wurden 16 Spielfilme und 14 TV-Serien untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass in 23 von 30 Produktionen die genannten medienästhetische Kategorien identifiziert werden konnten. Besonders in der Yesilcam-Phase konnten in 7 von 9 Filmen alle Kategorien in unterschiedlicher Intensität nachgewiesen werden. Die häufigste Kategorie, die Mehrheiten-Minderheiten-Konfiguration, zieht sich mit 35% durch die Produktionen, während die Kategorien der Lehrfilmmodalität und der raum- und zeitlogischen Inszenierung von Vergangenheit ebenfalls signifikant vertreten waren. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die qualitative Dichte der Kategorien in den verschiedenen Schaffensphasen variabel ist. Die Filme aus der Yesilcam-Phase sind in einem komplexen kulturellen Kontext entstanden, der ein Kernmoment identitätspolitischer Auseinandersetzungen in der Filmhistorie der Türkei widerspiegelt. Hier spielten in den 1970er Jahren die Filme noch als Aushandlungsmedien für die politische Programmatik des Millî Sinema als islamische Filmbewegung eine große Rolle. In späteren Produktionen, insbesondere der TRT-Phase (staatliches Fernsehen), werden selbst historische Ereignisse erzählt, sodass gerade rhetorische wie ästhetische Zuspitzungen sowie raum- und zeitlogische Figurierungen zugunsten des Hervortretens einer pseudo-neutralen Narrativierung der historischen Umstände weichen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Postmigrant Memory Culture and Media History. The Figure of the Migrant in Turkish Cinema. in: Please Rewind, Berlin: Archive Books, 25-35.
Alkin, Ömer
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Erinnerungskultur und Mediengeschichte postmigrantisch. Die Figur der Migration im türkischen Kino. In: Sungu, Can & Lippmann, Malve (Hg.) (2020): Bitte zurückspulen. Berlin: Archive Books, 26-37.
Alkin, Ömer
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Göçün Görsel Kültürü. (Yeni Nesil Göçmen Sinemacılar ve Sinema Girişimindekı Zorluklara Genel Bir Bakış), Perspektif Juli-August 2020, 26 (293), 48-51.
Alkin, Ömer
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Leela Ghandi: „Fast schon ein Manifest für Postkoloniale Theorie…“ In: Alkin, Ömer & Lena Geuer (Hg.) (2020) Postkolonialismus und Postmigration. Münster: Unrast Verlag, 27-70.
Alkin, Ömer; Lena Geuer & Friederike Danebrock
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Islam im Migrationskino – Moscheen im Modus des Films. Moscheen in Bewegung, 225-254. De Gruyter.
Alkin, Ömer
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Moscheen in Bewegung. De Gruyter.
Alkın, Ömer; Bayrak, Mehmet & Ceylan, Rauf
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Moscheen in Bewegung: Zur Notwendigkeit einer multiplen Perspektive. Moscheen in Bewegung, 1-10. De Gruyter.
Alkin, Ömer; Bayrak, Mehmet & Ceylan, Rauf
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Mosques in the Mode of Film. Culture Clash, Radicalization Drama and Everyday Phantasies. In: Behr, Harry Harun & Karakoç, Betül (Hg.) (2021): Moscheen 2.0/Mosques 2.0. Münster, New York: Waxmann Verlag, S. 189- 212.
Alkin, Ömer
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Postmigrant media futures. In: NECSUS Journal. #Autumn2021. FUTURES – 10 Years NECSUS, 2021, 113-120.
Alkin, Ömer
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Thinking Migration In/Through Film: Yeşilçam Migration Cinema of the 1970’s. In: Reimer, Jennifer & Maneval, Stefan (Hg.) (2021): Forms of Migration. Berlin: Falschrum Books, 146-155.
Alkin, Ömer
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Arbeitskreis Umfrage des FAM (mit Jiré Emine Gözen, Julia Bee, Skadi Loist, Liis Burket): „Wie ‚weiß‘ ist die deutschsprachige Medienwissenschaft?“ Hintergründe, Ergebnisse und Reflexionen zur Umfrage der GfM und des Forum Antirassismus Medienwissenschaft. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft: X | Kein Lagebericht, 2022, Ausgabe 26, 192-198.
Alkin, Ömer
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In: Zeitschrift für Medienwissenschaft: X | Kein Lagebericht, 2022, Ausgabe 26, 10-23.
Alkin, Ömer, Jiré Emine Gözen & Nelly Y. Pinkrah
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Postkolonialismus und Postmigration. Mäandernd-essayistische Überlegungen I. In: Alkın, Ömer & Lena Geuer (Hg.) (2022): Postkolonialismus und Postmigration. Münster: Unrast Verlag, 153-166.
Alkin, Ömer
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Postkolonialismus und Postmigration. Münster: Unrast, ISBN 978-3-89771-096-2
Alkin, Ömer & Lena Geuer
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Postmigration und Exil. Exil, Flucht, Migration, 162-174. De Gruyter.
Alkin, Ömer
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X Kein Lagebericht. Zeitschrift für Medienwissenschaft, 14(26-1), 10-23.
Alkin, Ömer; Gözen, Jiré Emine & Pinkrah, Nelly Y.
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«Seeing Through Race» & Versuche, durch die Medien (-wissenschaft) zu sehen. Zeitschrift für Medienwissenschaft, 14(26-1), 111-124.
Mitchell, W. J. T. & Alkin, Ömer
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„Seeing through Race“ & Versuche durch die Medien(- wissenschaft) zu sehen. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft: X | Kein Lagebericht, 2022, Ausgabe 26, 111-123.
Alkin, Ömer & W.J.T. Mitchell
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4.1 Medienkulturelle Überlegungen zu Unterhaltungsformaten in der postmigrantischen Gesellschaft: »Neoosmanisches Histotainment« und unberücksichtigte Medienbedürfnisse. Public History – Angewandte Geschichte, 151-168. transcript Verlag.
Alkin, Ömer & Özdilek, Aysel
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Das türkische Emigrationskino: Die Filme aus der Türkei. In: Schulte Eickholt, Swen & Bazarkaya, Onur Kemal (Hg.) (2024): Handbuch Deutsch-Türkischer Film. Würzburg: Königshausen & Neumann, 73-98.
Alkin, Ömer
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Einleitung. In: Alkin, Ömer & Alena Strohmaier (Hg.): Rassismus im Film. Marburg: Schüren Verlag, 7-22.
Alkin, Ömer & Alena Strohmaier
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Filmwissenschaft, Nekropolitik, Postmigration. In: Alkin, Ömer & Alena Strohmaier (Hg.) (2023): Rassismus im Film. Marburg: Schüren Verlag, 23-56.
Alkin, Ömer
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Gastarbeiter*innen. ZfM - Zeitschrift für Medienwissenschaft, 16(30-1), 48-50.
Alkin, Ömer
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Geschichte des deutsch-türkischen Kinos. In: Schulte Eickholt, Swen & Bazarkaya, Onur Kemal (Hg.) (2024): Handbuch Deutsch-Türkischer Film. Würzburg: Königshausen & Neumann, 31-58.
Alkin, Ömer
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Rassismus im Film und in der Medienkultur. In: mediendiskurs 2024 (4) 28 (Ausgabe 110), 36-41
Alkin, Ömer
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Rassismus im Film. Marburg: Schüren Verlag (Open Access), ISBN 978-3-7410-0448-3.
Alkin, Ömer & Alena Strohmaier
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Schlaglichter auf das deutsch-türkische Kino. Kulturelle Hybriditäten, Rassismus und postmigrantische Suchen. In: bpb: bundeszentrale für politische bildung.
Alkin, Ömer
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Kültürel Dönüşler (Cultural Turns). Istanbul: Doruk
Alkin, Ömer & Hayriye Kapusuz
