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Erholsame Boulevards – Stadtgestaltung zur Förderung der psychischen Gesundheit in Hauptverkehrsstraßen anhand von Fallstudien aus dem Ballungsraum Frankfurt Rhein-Main

Fachliche Zuordnung Städtebau/Stadtentwicklung, Raumplanung, Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Landschaftsplanung
Förderung Förderung seit 2020
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 437818133
 
Neurourbanistik ist ein junges, interdisziplinäres Feld in dem Stadtplaner u.a. mit Hirnforschern kooperieren um zu erforschen wie sich die Stadtgestaltung auf die psychische Gesundheit von Stadtbewohnern auswirkt. In der Literatur wird bisher die positive Rolle von Stadtgrün betont und nur wenige Untersuchungen adressieren sogenannte "graue" Stadträume wie Straßen, Fußgängerzonen und Plätze. Innerstädtische Hauptverkehrsstraßen, die große Mengen an Fußgänger-, Rad-, Öffentlichen und Motorisierten Individual Verkehr (MIV) führen, sind stark durch Lärm- und Luftverschmutzung belastet. Dies führt zu einer eingeschränkten Bewegungsfreundlichkeit ("Walkability") im Quartier, verminderter Sicherheit, sozialer Interaktion und mehr seelischen Erkrankungen. Dieser Projektantrag identifiziert einen Forschungsbedarf in der Stadtgestaltung zur Förderung von psychischer Gesundheit in öffentlich zugänglichen Freiräumen im Angesicht von anhaltendem Städtewachstum und Nachverdichtung. In der aktuellen Entwicklung hin zu einem größeren Anteil des Umweltverbundes in europäischen Ballungsräumen, sehen wir den Anlass neue Gestaltungskonzepte für Hauptverkehrsstraßen zu entwickeln. Neben der Beruhigung des MIV und dem Einfügen von Stadtgrün, nehmen wir an, dass die Gestaltung des Straßennetzwerks, Mischnutzung, Bebauungsdichte, Sichtfelder, architektonischen Detailierung und Programmierung von Erdgeschossflächen ungenutztes Potential für erholsame Bewegungsräume birgt. Wir schlagen vor diese Faktoren anhand von 6 Hypothesen in einem 36-monatigen Arbeitsprogramm mit 4 Nutzerstudien zu untersuchen, in denen jeweils die räumliche Analyse auf Makro- und Mikro-Ebene mit der Erfassung psychophysiologischer Daten kombiniert werden. Auf Basis einer Vorstudie werden 25 Boulevards im Ballungsraum Frankfurt Rhein-Main ausgesucht in denen Makro-Faktoren (z.B. Straßennetzwerk) mithilfe von GIS und Space Syntax analysiert werden. In der ersten Nutzerstudie (n=500) werden subjektive Bewertungen des Gemütszustandes ("Mood") in einer Vor-Ort-Befragung erhoben. In der zweiten und dritten Nutzerstudie (n=25) werden Mikro-Faktoren (z.B. Isovist-Sichtfelder) in 5 Boulevards anhand von Kontrollpunkten konstruiert und mit subjektiven Bewertungen sowie mit Herzfrequenz-Variabilität korreliert. In der vierten Nutzerstudie (n=25) werden kritische Faktoren mit Hilfe von Eyetracking verifiziert und anhand Experteninterviews Handlungsspielräume identifiziert. Das beantragte Projekt zielt darauf ab das interdisziplinäre Feld der Neurourbanistik durch eine neue experimentelle Methode der räumlichen Analyse von psychophysiologischen Daten durch Space Syntax, sowie ein erstes Modell zur Beschreibung von psychischem Wohlbefinden durch Stadtgestaltungs-Faktoren und anhand von empirischen Untersuchungen eines Ballungsraumes in Europa zu validieren.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug USA
Kooperationspartnerin Professorin Jenny Roe, Ph.D.
 
 

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